Die Bibel als Quelle des Lebens – Fastenpredigt am ersten Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir Hunger hatten und gegessen haben, gibt es für das Gefühl, das wir dann haben, ein klares Wort: satt.
Man hat gegessen und ist satt

Bei Durst gibt es, wenn wir getrunken haben, eigentlich kein eigenes Wort, das das Gefühl beschreibt, wenn wir keinen Durst mehr haben.

Einige Sprachforscher schlugen „sitt“ vor als Pendant zu „satt“.
Es sollte ausdrücken: Ich habe getrunken, mein Durst ist gestillt.
Aber dieses Kunstwort hat sich nicht durchgesetzt.
Niemand sagt heute:  „Ich bin sitt.“

Woran das wohl liegt?
Vielleicht daran, dass wirklicher Durst nie endgültig verschwindet.
Wir bleiben durstig.
Nach Sinn, nach Annahme, nach Trost, ja – nach Gott selbst.
Durst ist dynamisch; er ruft uns immer wieder zur Quelle.

Und genau hier zeigt sich die Schönheit der Bibel:
Sie gibt uns kein statisches „sitt“, sondern die Heilige Schrift ist die Quelle selbst.

Jesaja lädt uns ein: „Ihr habt Durst? Kommt her, hier gibt es Wasser!“ (Jesaja 55,1 HFA)

Unser verborgener Durst

Die Bibel – die Heilige Schrift – ist nicht nur Text. Sie ist lebendiges Wasser für unser Leben.
Wer daraus trinkt, wird nicht endgültig „sitt“. Aber er wird getragen, erfrischt, gestärkt und darf immer wieder zur Quelle zurückkehren.

Menschen dürsten nach vielen Dingen:
Nach Sinn: Wofür lebe ich? Woher komme und wohin gehe ich? Bin ich gemeint? Was bin ich wert?
Menschen dürsten nach Annahme: Geliebt zu sein, ohne Leistung bringen zu müssen.
Nach Vergebung: Die Chance, neu anfangen zu dürfen. Fehler haben und machen zu dürfen und aushalten zu können.
Menschen suchen nach Hoffnung: Gerade in Krisen, Krankheit oder Trauer.
Nach Trost: Wenn alles trostlos scheint.
Menschen dürsten nach Gerechtigkeit: nach einer besseren Welt.
Und nicht wenige dürsten nach Beziehung zu Gott. Das scheint mir der tiefste, existenzielle Durst.

Die Bibel bringt das ins Wort:
„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele nach dir, Gott.“ (Psalm 42)

Die Bibel – mehr als Information

Unsere Welt ist voll von Informationen. Nachrichten, Reels, Posts und Likes.
So vieles strömt heute auf uns ein. Und dennoch fühlen sich so viele innerlich trocken, obwohl sie alles wissen und jedes Wissen abrufen können.

Die Bibel ist anders.
Sie will Quelle sein.
Sie spricht nicht nur über Gott – sie spricht uns an. Aus ihr spricht Gott zu uns. Zu jedem ganz persönlich und immer wieder neu.Die Bibel erzählt Geschichten und Erfahrungen mit Gott. Glaubens- und Lebens-Erfahrungen. Quellen-Erfahrungen.
Auch für uns heute:

Wenn wir hören: „Fürchte dich nicht“ und merken: Das gilt mir.
Wenn sie erzählt, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist, dann gilt das auch von Dir und mir.
Wenn wir da lesen: „Kehrt um…!“ dann ruft es Dich und mich aus unserem Alltagstrott.
Wenn da steht: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ (Matthäus 11,28), dann wird Durst gestillt, nicht als endgültiger Zustand, sondern als immer wieder erneuerbares Leben aus der Quelle.

Warum wir nie endgültig „sitt“ werden

Vielleicht ist es gut, dass wir nie endgültig „sitt“ werden.

Durst hält uns lebendig.
Er führt uns immer wieder zurück zu Gott, zu seiner Nähe, zu seinem lebendigen Wort.

Bei seiner Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen – sie kennen die Geschichte vielleicht – sagt Jesus zu der Frau: „wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“ (Joh 4,14)

In der Fastenzeit dürfen dieses „Wasser“ bewusst trinken: Nicht nur verzichten, sondern zur Quelle gehen.
Wir dürfen aus SEINER und unserer Quelle trinken:
Einen Satz aus der Heiligen Schrift am Morgen, ein Stück aus dem Evangelium am Abend.
Ein Wort, das mich durch den Tag begleitet und an das ich mich immer wieder erinnere, das ist wie ein Schluck frisches Wasser nach einem langen Weg.

Ich habe in der Fastenzeit vor einem Jahr jeden Tag in eine WhatsApp-Gruppe einen Bibelvers mit einem kurzen Impuls und einer kleinen Idee, wie der Satz lebendig werden kann gestellt. 
Da gab es von den über hundert Teilnehmern sehr gute Rückmeldungen.
Auch heuer mache ich das wieder.
Eine kleine Möglichkeit, sich täglich an die Quelle zu begeben die für uns die Bibel ist und aus ihr zu trinken.

Leben aus der Quelle

„Hört, dann werdet ihr leben!“ (Jesaja 55,3).

Nicht: leistet mehr.
Nicht: seid stärker.
Sondern: hört.

Wer regelmäßig trinkt, trocknet innerlich nicht aus.

Die Bibel ist nicht nur ein Buch.
Sie ist lebendiges Wasser für unsere Seele.

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