Der Schatz und die Perle und der Umgang mit ihnen – Predigt zum 17. Sonntag im Jahreskreis

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Ich stelle mir einen Mann vor, der über einen fremden Acker geht. Vielleicht ist er dort als Tagelöhner beschäftigt, vielleicht sucht er nur einen Weg. Und plötzlich – sein Fuß stößt gegen etwas Hartes. Er gräbt nach, und was er findet: ein verborgener Schatz. Niemand sonst hat ihn gesehen. Der Acker sieht aus wie jeder andere Acker: unscheinbar, gewöhnlich, vielleicht sogar ein wenig vernachlässigt. Und doch trägt er in sich einen Reichtum, der alles verändert.

Jesus sagt: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.“ 
Interessanterweise nicht: Das Himmelreich ist ein Schatz. Sondern: Es ist wie mit einem Schatz. 

Jesus erzählt die Gleichnisse, weil sich das Himmelreich nicht direkt beschreiben lässt. Man kann es nicht genau definieren. Man kann es nur umkreisen, beschreiben, in Bildern berühren. Das Himmelreich ist verborgen. Es liegt nicht da wie in einem Schaufenster. Es drängt sich auch niemandem auf. Man kann jahrelang über diesen Acker gehen, ohne den Schatz zu ahnen.

Gott macht sich nicht laut bemerkbar. Er drängt sich nicht auf. Sein Reich wächst nicht mit Pauken und Trompeten, sondern verborgen. Wie der Same, der in der Erde keimt, ohne dass der Bauer weiß, wie. 

Wer nach äußerem Glanz sucht, wird beim Glauben oft enttäuscht. 
Die Kirche sieht von außen manchmal ziemlich gewöhnlich aus wie ein ganz gewöhnlicher Acker: mühsam, unvollkommen, von Menschen bestellt, die Fehler machen. Und doch – wer gräbt, wer nicht an der Oberfläche bleibt, stößt auf etwas, das trägt.

Auch in unserem Leben ist das so. Wie oft gehen wir über Jahre an etwas vorbei, das eigentlich schon da war: eine Berufung, eine Versöhnung, eine tiefere Gottesbeziehung, weil wir nicht hingesehen, nicht gegraben haben. Der Schatz war da. – Nur verborgen.

Das Gleichnis bleibt nicht bei der Verborgenheit stehen. Es geht weiter: Der Mann verkauft alles, was er hat, um jenen Acker zu kaufen. Und im zweiten Bild, dem des Kaufmanns, der die eine kostbare Perle sucht, geschieht dasselbe: Er verkauft alles, was er besitzt, um sie zu erwerben.

Es geht hier nicht um Verzicht um des Verzichtes willen. Es geht um die Freude. „Und in seiner Freude verkauft er alles.“ Nicht mit zusammengebissenen Zähnen, nicht widerwillig – aus Freude. 
Wer wirklich begriffen hat, was er gefunden hat, dem fällt der Verzicht auf das andere nicht schwer. Es ist kein Handel im Sinne eines Verlustgeschäfts, sondern der einzig vernünftige Tausch: Alles hinzugeben für das, was alles übersteigt.

Das ist der zweite Grundzug des Himmelreiches: Es ist von unermesslichem Wert. 
Wer es einmal wirklich gefunden hat, für den relativiert sich alles andere. Nicht, weil das andere schlecht wäre, sondern weil es im Vergleich klein wird.

Was heißt das für unseren Alltag?
Das Evangelium zeigt zwei verschiedene Wege zum Schatz. Der eine findet ihn zufällig, beiläufig, beim gewöhnlichen Tagewerk. Der andere sucht ihn gezielt, sein Leben lang, wie der Kaufmann, der nach kostbaren Perlen Ausschau hält. 
Beide Wege gibt es auch heute: Manche Menschen stoßen fast unverhofft auf Gott – in einer Krankheit, die alles infrage stellt, im Moment der Geburt eines Kindes, in einem Gespräch, das eigentlich nur nebenbei geführt wurde. Sie waren nicht auf der Suche, und doch hat sie etwas gepackt.
Andere Menschen suchen bewusst, jahrzehntelang – im Gebet, im Gottesdienstbesuch, im geistlichen Gespräch, in der stillen Betrachtung. Sie graben, weil sie ahnen: Da ist mehr.
Beide Wege führen zum selben Punkt: der Entscheidung. 

Was tue ich, wenn ich gefunden habe? Halte ich fest, oder gebe ich hin, was mich hindert?
Ganz praktisch kann das heißen:
Dass ich morgens einen Moment für das Gebet freimache, auch wenn der Terminkalender voll ist – weil ich dem, was wirklich trägt, Raum gebe, statt es dem Rest der Zeit unterzuordnen.
Dass ich in einer Beziehung, einer Freundschaft, einer Familie bereit bin, eigene Bequemlichkeit zurückzustellen, weil mir die Versöhnung, die Nähe zum anderen, mehr wert ist als mein Recht.
Dass ich im Beruf nicht alles dem Erfolg unterordne, sondern auch dort nach dem suche, was bleibt: Ehrlichkeit, Dienst am nächsten, ein gutes Wort für den, der es braucht.
Dass ich mir Zeit nehme, im eigenen Leben zu „graben“ innezuhalten, nachzufragen, was mich eigentlich trägt, statt nur an der Oberfläche des Alltags weiterzugehen.

Der Acker unseres Alltags sieht oft unscheinbar aus: Arbeit, Familie, Sorgen, Routine. 
Und doch ist er der Ort, an dem der Schatz verborgen liegt. Nicht woanders. Nicht erst dann, wenn das Leben leichter wird. Hier, jetzt, in diesem gewöhnlichen Acker.

Liebe Schwestern und Brüder, das Himmelreich drängt sich niemandem auf. 
Es liegt verborgen – im Acker unseres Alltags, in den kleinen und großen Momenten unseres Lebens. 
Aber wer es findet, dem ist kein Preis zu hoch, um es zu behalten. Nicht aus Zwang, sondern aus Freude.

Ich frage mich: Wo in meinem Leben liegt der Acker, den ich noch nicht umgegraben habe? 
Und: Was würde es bedeuten, alles zu geben – nicht aus Verlust, sondern aus Freude über das, was ich gefunden habe?