„Das schaffen wir doch nie!“ – oder doch? – Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis

      Kommentare deaktiviert für „Das schaffen wir doch nie!“ – oder doch? – Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis

„Das schaffen wir doch nie!“ Werden sich die Apostel gedacht haben, als sie die vielen Menschen sahen, die sich an dem einsamen Ort versammelt hatten, um Jesus zu sehen, zu hören und sich von ihm heilen zu lassen.
Fünftausend Männer mit Frauen und Kindern.
Zu später Stunde. 
Hungrig.

Eine Herausforderung, sie alle satt zu bekommen.

Von Jesus heißt es am Anfang, dass er Mitleid mit ihnen hatte (Mt 14,14).
Die Jünger dachten anders: „Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!“ (Mt 14,15)
Sie mögen gedacht haben: „Wir haben selbst kaum Brot – warum sollen wir für die anderen sorgen? Wenn sie nichts mitgebracht haben, sollen sie eben zurückgehen oder uns Geld geben.“ 
Keine falschen Überlegungen – aber nicht die Gedanken Jesu. Er sagt: „Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Mt 14,16)

Wir schaffen das nie!“ 
So mag mancher denken, wenn er auf die Probleme unserer Welt blickt: die Krisen, die Klimakatastrophe, Hunger und Ungerechtigkeit und nicht zuletzt die Kriege. 

Und auch persönlich: „Ich schaffe es nie, aus meinem Tief herauszukommen, meine Traurigkeit zu überwinden, meinen tiefen Hunger nach Nähe und Geborgenheit wirklich zu stillen.“

Die Erzählung von der Speisung der Fünftausend öffnet eine Tür, hinter der Jesus eine Lösung zeigt:
Erstaunlicherweise ist nie von „Vermehren“ die Rede. Die Verben heißen „brechen, geben, austeilen“ (vgl. Mt 14,19). 
Nicht die Vermehrung wird betont, sondern das Teilen.
Jesus betreibt keine Magie. Er verwandelt die fünf Brote nicht vorab in fünftausend. 
Er betet, segnet sie und beginnt, im Vertrauen auf den Vater, sie zu brechen – und sie gehen nicht mehr aus. 
Das ist nicht Magie, sondern Vertrauen auf Gott und seine Vorsehung.

Jesus vermehrt durch Teilen, nährt durch Austeilen, gibt der Welt Leben (vgl. Joh 6,33). 
Nicht Haben, sondern Geben ist SEIN Wort.

Was er zeigt, ist klar: Menschen, die hungern, die auf der Suche sind, die nach Zuwendung verlangen und Zukunft erhoffen – sie brauchen nicht wegzugehen. „Gebt ihr ihnen“ Sinn, Zuwendung, Hoffnung und Zukunft (vgl. Mt 14,16).
Diese Aufforderung gilt nicht nur den Jüngern am einsamen Ort. Sie gilt allen, die Jesus nachfolgen – auch uns hier und heute.

Gebt IHR ihnen…!

Wenn wir nachher die Eucharistie empfangen, Gott in einem Stück Brot, dann erleben wir die Denkweise Gottes: Im gebrochenen, geteilten Brot will Gott uns dazu bringen, seine Denkweise nachzuahmen – uns selbst den anderen zu geben, auch wenn das, was wir zu geben haben, gering oder angesichts der Herausforderung mickrig erscheint.

Die Eucharistie ist Gegenmittel gegen das „Es tut mir leid, das geht mich nichts an“ gegen das „Ich habe keine Zeit, das ist nicht meine Angelegenheit“.

Wir schaffen das nie!“

Jesus schafft es – im Vertrauen auf die Hilfe des Vaters. Mit ihm und seiner Methode „Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Mt 14,16) können auch wir es schaffen.

Fünf Brote und zwei Fische hatten ausgereicht. „Alle aßen und wurden satt.“ (Mt 14,20) Ja, es blieben sogar noch zwölf Körbe voll übrig.

„Wir schaffen das nie!“ – das gilt nur für die, die nicht bereit sind, von Jesus zu lernen.

Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes! 
Keine Schwierigkeit, keine Unmöglichkeit, keine Not.
Er wird uns nicht enttäuschen!

Einige Gedanken habe ich von Papst Franziskus: (https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-06/wortlaut-papst-franziskus-predigt-fronleichnam-casal-bertone-19.html)