Blindheit hat viele Gesichter – Predigt zum 4. Sonntag in der Fastenzeit

Das Evangelium zeigt uns: Blindheit hat viele Gesichter.

Der Mann ist blind. Aber seine Blindheit ist körperlich. Er kann nichts dafür.

Die Pharisäer dagegen sehen. Ihre Augen funktionieren. Und doch bleiben sie blind.

Man kann Augen haben und trotzdem nichts sehen.

Der Mann im Evangelium ist von Geburt an blind. Seine Blindheit ist keine Strafe Gottes. Jesus weist diese Vorstellung ausdrücklich zurück. Aber diese Blindheit hat nicht dazu geführt, dass er sein Herz verschlossen hat. Der Mann begegnet Jesus ohne Vorurteile.
Er nimmt ernst, was mit ihm geschieht.
Und Schritt für Schritt wächst sein Glaube.
Am Anfang sagt er nur: „Da ist ein Mensch namens Jesus.“
Später sagt er: „Er ist ein Prophet.“
Und am Ende fällt er vor Jesus nieder und sagt: „Herr, ich glaube.“

Seine Geschichte zeigt:
Die Augen können blind sein und das Herz kann trotzdem sehen.

Ganz anders ist es bei den Pharisäern.
Sie sehen das Wunder. Sie sehen den geheilten Mann.
Und doch erkennen sie nicht, was geschieht.

Warum?
Weil ihre Blindheit eine andere ist.
Es ist die Blindheit der Vorurteile. Sie wissen schon vorher, was nicht sein darf.
Es ist die Blindheit der Starrheit. Die Regeln, die Gesetze und Vorschriften sind ihnen wichtiger als der Mensch.
Und vielleicht ist es auch die Blindheit der Angst. Denn, wenn Jesus wirklich von Gott kommt, dann gerät ihre eigene Autorität ins Wanken.

Darum könnte man sagen:
Nicht die Dunkelheit macht blind sondern Vorurteile, Starrheit, Angst.

Das Evangelium stellt auch uns eine Frage: Welche Formen von Blindheit gibt es in unserem eigenen Leben?

Vielleicht gibt es bei uns die Blindheit der Gewohnheit.
Wir sehen vieles aber wir nehmen es nicht mehr wirklich wahr. Menschen, Sorgen, Einsamkeit. All das kann direkt vor unseren Augen stehen. Und doch gehen wir daran vorbei.

Vielleicht gibt es bei uns auch die Blindheit der Vorurteile.
Wir haben schnell ein Bild von einem Menschen. Und dann sehen wir nur noch das, was zu diesem Bild passt.

Oder es gibt bei uns die Blindheit des Herzens.
Wenn wir nur noch um uns selbst kreisen. Wenn uns das Leid anderer kaum noch berührt.

Darum gilt auch für uns ein einfacher, aber wichtiger Satz:
Wer glaubt, schon alles zu sehen, wird leicht blind.

Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der Gott unsere Augen neu öffnen möchte.
Jesus heilt den Blinden auf eine ungewöhnliche Weise: Er macht einen Teig, streicht den auf die Augen und schickt ihn dann zum Teich Siloah. Der Mann muss sich auf den Weg machen. Er muss vertrauen. Er muss sich waschen. Und erst dann kann er sehen.

Auch unser inneres Sehen wächst 
– wenn wir uns Zeit nehmen, wirklich hinzuschauen
– wenn wir einem Menschen zuhören
– wenn wir unsere Vorurteile hinterfragen
-wenn wir Gottes Wort an uns heranlassen

Das Ziel des Evangeliums ist nicht nur, dass ein Blinder sehen kann. Das Ziel ist viel größer:
Jesus will nicht nur unsere Augen öffnen. Er will unser Herz sehend machen.

Der Blindgeborene beginnt im Dunkeln und findet zum Licht.

Die Pharisäer beginnen als Sehende und enden in Blindheit.

Und mitten in der ganzen Geschichte steht der, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“

Wer sich diesem Licht öffnet, der wird sehen.

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