Predigt am Kapiteljahrtag in Inchenhofen

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Es ist noch kein Jahr her, da starb mein sehr guter Freund und Vorgänger als Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Ottmaring Adalbert Brandmair.
Viele von Ihnen kannten ihn. Unter den Mitbrüdern in der Diözese und weit darüber hinaus war er als der bekannt, der immer so laut lacht. „Mein fröhlichster Priester“ nannte ihn der Bischof. Und wer ihn kannte, merkte, dass er den Menschen zugewandt war, ein Seelsorger. Ein Pfarrer, der sich aber auch mit den Dingen herumschlagen musste, unter denen viele von uns leiden. Er wusste seine Grenzen und wer ihn kannte, wusste die auch.
Er hatte eine neue Aufgabe übernommen als Klinikseelsorger in Günzburg. Eine echte Seelsorgestelle.
Die Mitbrüder in dem Priesterkreis der Fokolarbewegung, in dem wir uns alle paar Wochen treffen, hatten – wie ich – den Eindruck, dass Adalbert an der neuen Stelle eine Aufgabe übernommen hat, die genau ihm entsprach.
In seiner neuen Stelle hat er ausgesät. So wie schon in Ottmaring. So wie wir alle, die wir im Dienst der Verkündigung stehen, aussäen. Ja wie es auch die Eltern für ihre Kinder und engagierte Christen für die ganze Welt tun.
Aussäen.
Mir kommt dabei das Bild des Sämanns in den Sinn. Das berühmte Bild des Sämanns von Vincent van Gogh. Vielleicht kennen Sie es.
Der Sämann, der geduldig Samen auf den Acker streut und dabei, obwohl er vorne steht, in den Hintergrund zu rücken scheint. Der Sämann, der nicht stehen bleibt, sondern ein ums andere Mal eine Hand voll Saatgut dem Boden unter seinen Füßen überlässt. Der Sämann, der die Frucht seiner Mühe dem Regen und der Sonne anvertraut. Im Hintergrund scheint die Sonne und taucht das ganze Bild in ihren goldenen Glanz.
Ein wenig mehr als ein Jahr war Adalbert Klinikseelsorger und dann fiel er im wahrsten Sinn des Wortes tot um. Mitten aus dem Leben. Mitten aus der Arbeit, die sich gerade so gut angelassen hatte, wurde er abberufen und musste alles stehen und liegen lassen.
„Der Herr der Ernte“ hat ihn abberufen, so wie im zurückliegenden Jahr auch andere, die noch gut und gern als Arbeiter im Weinberg des Herrn von Nöten gewesen wären. Ich denke besonders an die Jungen Mitbrüder, an Michael Wirth, an Martin Klein, an Werner Brauchle und die anderen Priester und Haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unserem Dekanat und unseren Freundeskreisen.
„Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.“ (Lk 10,2) hatte Jesus im Evangelium zu den Jüngern gesagt. Und anstatt uns welche zu schicken, zieht er 2017/18 noch Arbeiter ab.
Für mich eine unverständliche Politik!
Auf die Frage nach dem Warum, was das soll, was Gott damit vor hat, habe ich keine Antwort gefunden. Und ehrlich gesagt, wenn ich mal drüben angekommen bin, und es mir nicht von selber klar sein sollte, dann möchte ich IHN auf alle Fälle fragen, was das soll.
ER hat offensichtlich ganz andere Maßstäbe als wir.
Im Vorbereitungsbogen für die Visitation steht die Frage: „Nehmen die Gläubigen in unserer PG die personellen Veränderungen als Herausforderung und „Zeichen der Zeit“ an?“
Ist das „Zeichen unserer Zeit“ das immer weniger?
Ist unsere Zeit die Zeit des Absterbens?
Was wird am Ende bleiben, wenn das so weiter geht?
Und was wird sich noch alles ändern, wenn es so weiter geht?
Man könnte leicht ins Jammern geraten und nicht wenige in der Kirche sind schon ins Jammerertal eingezogen. Doch als Jammerer kommen wir nicht weiter.
Hätte Paulus – erinnern wir uns an die Lesung (2 Tim 4,10-17b) nicht auch allen Grund zum Jammern gehabt? Doch er geht weiter. Er sät weiter. Weil er sich gesandt weiß von dem, der den Arbeitern im Weinberg auch nicht von rosigen Zeiten vorschwärmt.
Und dennoch sendet er sie.Und dennoch sendet er UNS um zu säen, in seinem Weinberg zu arbeiten, das Evangelium – die frohe Botschaft – zu verkünden und zu bezeugen.
Als Jammerer wird uns das nicht gelingen.
Aber als Menschen, die sich mit IHM verbunden wissen, die IHN, die den „Herrn der Ernte“ auf ihrer Seite wissen und sich SEINE Gegenwart immer bewusst machen, haben wir Grund, Mut zu fassen.
Wenn wir IHN im Herzen haben, dann haben wir die Freude im Herzen.
Wenn ER unsere Gedanken bestimmt, dann bestimmt uns Zuversicht.
Wenn ER unser Weg ist, dann trauen wir uns in Kirche und Gesellschaft, in Pastoral und Verkündigung auch neue Wege zu gehen.
Wenn wir uns von IHM an der Hand nehmen lassen, dann können wir spüren, dass ER uns zu den Menschen und zum wahren Leben führt.
DA ist unser Ziel.
Denkend an dieses Ziel sind uns die Mitbrüder, die Kolleginnen und Kollegen für die wir heute besonders beten vorausgegangen. Und sie erinnern uns an dieses Ziel. Nicht um uns zu deprimieren oder uns Angst zu machen, sondern um uns zu ermutigen, selber weiter zu gehen, die „Zeichen der Zeit“ zu sehen, zu deuten
und zu verstehen.
Auch wenn es nur wenig Arbeiter zu geben scheint.
Auch wenn in unserer Zeit manches abstirbt.
Auch wenn wir noch schmerzhafte Veränderungen erleben und begleiten müssen.
Hören wir nicht auf, den Herrn der Ernte, zu bitten, Arbeiter für seine Ernte auszusenden (vgl. Lk 10,2).
Und machen wir uns stets bewusst, was Jesus vor seiner Himmelfahrt den Jüngern sagte: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

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