„Wie stellst DU DIR Gott vor?“ – Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Schwester, lieber Bruder im Glauben!

Am Sonntag nach Pfingsten, nachdem das Kirchenjahr aus der 50-tägigen Osterzeit in die Zeit im Jahreskreis – wenn man so will in die normale und Alltägliche Zeit – zurückkehrt, feiert die Kirche den „Dreifaltigkeitssonntag“. Sie rückt die für den Gläubigen fundamentale Frage in den Mittelpunkt: „Wie stellst DU DIR Gott vor?“
Keine ganz einfache Frage.
Und nicht umsonst verbietet es das Alte Testament, sich ein Bild von Gott zu machen. Aber heute, wie in früheren Jahrhunderten, müssen wir uns eine Vorstellung von Gott machen, wenn wir mit IHM in Beziehung treten wollen. Deshalb meine ganz persönliche Frage an jede und jeden von Ihnen: „Wie stellst DU DIR Gott vor?“

Für das, was wir beschreiben, müssen wir Menschen, gerade weil es sich dabei um etwas außerhalb unserer räumlichen und zeitlichen Vorstellung handelt, auf Bilder zurückgreifen. Gott lässt sich nicht auf ein Statue oder ein von Menschen gemachtes Kunstwerk reduzieren. Deshalb das biblische Bilderverbot. Aber um Aussagen über Gott zu machen, müssen wir uns Bildern bedienen. Auch die Bibel tut das. Freilich ist klar, dass Gott immer auch größer ist, als das Bild, das ein Mensch sich von ihm macht.

Noch einmal gefragt: „Wie stellst Du Dir Gott vor?“

Wenn ich jetzt herumgehen und Dich persönlich fragen würde, was würdest DU antworten?
Einige würden vielleicht gleich sagen: „Wie einen Vater!“, andere „Wie eine Mutter!“ oder „wie ein Feuer“ oder „wie ein tiefes Wasser“. Andere würden vielleicht sagen: „Gott ist die Liebe!“ oder „er ist ewig!“ und „der Schöpfer der Welt“. Alles richtig.
Vielleicht würde einer sagen: „für mich ist Gott wie eine weiche Decke, in die ich mich einhüllen kann“ oder „wie ein wunderbarer Ort an dem ich mich geborgen fühle“. Für manchen ist Gott vielleicht wie ein weit entfernter Stern oder wie die Sonne.

„Wie stellst Du Dir Gott vor?“

Die Vorstellung von Gott ist eine höchst individuelle, eine äußerst persönliche Sache, die zutiefst mit gemachter Erfahrung und sicher auch mit der aktuellen Situation eines Menschen zusammenhängt.
Unterschiedliche Zeiten haben immer auch unterschiedliche Vorstellungen von Gott hervorgehoben.
Unterschiedliche kulturelle, soziale und politische Zusammenhänge haben ihr je eigenes Bild von Gott geprägt. Auch haben die verschiedenen Religionen bestimmte Bilder von Gott vorgestellt. Die haben wiederum massiven Einfluss auf den Umgang der Menschen mit Gott, mit der Welt und den anderen Menschen.
Deshalb ist die Frage: „Wie stellst DU DIR Gott vor?“ nicht nur eine Frage nach einer ganz persönlichen, inneren und spirituellen Sache. DEINE und meine Antwort auf die Frage „Wie stellst DU DIR Gott vor?“ hat auch – wenn sie ernst gemeint ist – eine direkte Folge für DEINEN und meinen Umgang mit der Welt und mit den anderen Menschen.
Ja selbst wenn einer sagen würde: ich glaube gar nicht, dass es Gott gibt, wird das Auswirkungen in seinem Handeln haben. Dieser Mensch wird nicht automatisch ein schlechter Mensch sein, so wie auch ein Gläubiger 
nicht automatisch ein guter Mensch ist. Aber auf die Dauer hat das Bild von Gott eine Auswirkung auf das Bild von der Welt und vom Menschen und damit auch auf das Handeln jedes Einzelnen.

„Wie stellst DU DIR Gott vor?“

Heute, am „Dreifaltigkeitssonntag“, stellt uns die Kirche unsere christliche Vorstellung von Gott vor Augen.
Die geht über das Bild hinaus, mit dem ich selbst Gott beschreiben kann. Es ist eine Vorstellung, die in Worte zu fassen sich schon klügere Köpfe als ich in weit umfangreicheren Formaten als einer Sonntagspredigt bemüht haben.
Die „Dreifaltigkeit“, „TRINITÄT“ – besser übersetzt „DREI-EINIGKEIT“ – ist die spezielle christliche Vorstellung von Gott. Gott, der sich dem Mose am brennenden Dornbusch als der JHWH – „ICH BIN DA“ vorgestellt hat, machte diesen Namen zum Programm und ist für sein Volk da. Er lässt den Menschen nicht allein, sondern unternimmt die verrücktesten Sachen, um die Menschen zu sich zu führen. Er läuft ihnen hinterher, er versucht es mit gutem Zureden, mit Drohen, mit Strafen. Das tut er, nicht, weil er ein Tyrann ist und den Menschen wie eine Marionette nach seiner Pfeife tanzen lassen möchte. Er tut es, weil er liebt, ja, weil er in sich und aus sich heraus Liebe ist.

Wahre Liebe geht nur zwischen Personen.
Mit unseren Menschlichen Vorstellungen und Worten sagen wir Christen deshalb: Gott ist DREIEINIG: Vater, Sohn und Heiliger Geist.
DREI Personen und EIN Gott.
EIN Gott in DREI Personen.

Ein sehr schönes Bild macht deutlich, wie ich mir Dreifaltigkeit vorstellen kann: Ein Mann hat zwei Kinder. Für sie ist er Vater. Seine Eltern leben noch. Für sie ist er Sohn. Und für die Frau, die er liebt und mir der er verheiratet ist, ist er Ehemann.
Er ist also zugleich Vater seiner Kinder, Sohn seiner Eltern und liebender Ehemann. Und dennoch ist er nur EINER.
Genauso ist das bei Gott auch: ER ist EINER, aber VaterSohn und LIEBE – Heiliger Geist. Gott ist Beziehung. Gott ist Liebe. Das ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Das ist das Geheimnis an unserem christlichen Bild von Gott.

Und „Wie stellst Du Dir Gott vor?“

1 thought on “„Wie stellst DU DIR Gott vor?“ – Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag

  1. Jutta högerle

    Die dreidaltigkeitspredigt hat mich sehr berührt. Besonders das beispiel vater, sohn, liebe.
    Danke dir dafür. Jutta

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