Was steckt in mir? und Worin stecke ich? Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit

Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. (Joh 15,4)
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. (Joh 15,5)
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. (Joh 15,7)

Die Bildrede Jesu vom Weinstock und den Reben beschreibt unsere Beziehung mit IHM.
Es fällt auf, wie häufig Jesus hier das Wort „bleiben“ verwendet.
Wir in IHM und ER in uns.

Beim Nachdenken über diese Worte Jesu haben sich mir zwei Fragen gestellt:

Was steckt in mir? und Worin stecke ich?

Was steckt in mir?

Den Worten Jesu nach sollte und wollte ER in mir stecken.
Doch wenn ich mich ehrlich anschaue, ist ER nicht alles, was in mir steckt.
In mir steckt viel mehr!
Nicht nur meine Fähigkeiten und Begabungen, Charismen und Stärken.
Auch Sehnsüchte und Wünsche, Träume und Phantasien.
Ja sogar dunkle Seiten und negative Regungen, Defizite und Abgründe.

All das kann ich in mir entdecken, wenn ich mich ehrlich anschaue und mich meiner Wirklichkeit stelle.

Was steckt in mir?
Und wenn ich sein Wort von SEINEM Bleiben in mir bedenke, dann darf ich auch sagen: Auch JESUS steckt in mir.
Spätestens seit meiner Taufe nämlich, bin ich Kind Gottes, Bruder Jesu.
Und jedes Mal, wenn ich mich daran erinnere und mich bewusst dafür entscheide, auf IHN in mir zu schauen, IHN in mir die Oberhand gewinnen zu lassen, spüre ich, dass die anderen Regungen, die auch in mir da sind, ihre Macht verlieren. 

Ich will, dass ER in mir bleibt.
Wollen Sie auch, dass Jesus in Ihnen bleibt?

Worin stecke ich?
Das war die zweite Frage, die sich mir beim Betrachten der Worte Jesu im heutigen Evangelium stellte.

Worin stecke ich?

Ich stecke nicht nur in meiner Haut.
Auch in meiner Rolle, in meiner Geschichte, in meinem Umfeld.
Manchmal stecke ich in Schwierigkeiten und manchmal würde ich am liebsten aus der Haut fahren.
Manchmal lasse ich mich einwickeln.
Manchmal versuchen mich Andere zu umgarnen.
Ich stecke – wie Sie – inmitten die Corona-Pandemie, im Frühjahr 2021 mit all den Herausforderungen, die heute da sind.

Dabei wäre ich oft viel lieber in einer anderen Situation.
Geborgen und umgeben von Liebe und Zuwendung, von Wohlwollen und Zärtlichkeit.
Ich wünsche mir eine Kraftquelle, die mir die Energie schenkt, die ich für mein Leben und meinen Dienst brauche.
Ich spüre, dass ich Motivation brauche, die ich mir nicht selber geben kann.
Ich merke, dass ich selber oft zu schwach bin, weiter zu gehen, positiv zu bleiben, Anderen Mut zu machen. 
Und ich brauche es, dass Andere mit mir gehen, mich ermuntern und anspornen, damit ich nicht verzage.

Und da fällt mir ein, dass spätestens seit meiner Taufe, Gott mein Vater ist, der mich unendlich liebt. Dass Jesus mein Bruder ist, der alles für mich gegeben hat.

Worin stecke ich?
Ich stecke auch in IHM.
Und wenn ich aus IHM und mit IHM lebe, dann merke ich, wie all das, was mich von außen herunterziehen möchte, seine Kraft verliert.
Wenn ich mir wieder neu bewusst mache, dass ER es ist, in dem ich bin, dann spüre ich, wie ich neue Kraft bekomme mit den Herausforderungen umzugehen, vor die ich gestellt bin.

Ich will in IHM bleiben. Wollen Sie das nicht auch?
Ich will, dass ER in mir bleibt. Und ich will in IHM bleiben.

Gott möchte meine und Ihre freie Entscheidung für IHN.
Jesus möchte, dass Sie und ich und jeder Mensch in aller Freiheit sagt: bleib DU in mir und lass mich in DIR bleiben.

Wie das in IHM Bleiben und SEIN Bleiben in uns über ein Lippenbekenntnis und eine innere Regung hinaus geht, das haben wir in der Lesung aus dem ersten Johannesbrief gehört:
Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit. (1Joh 3,18)
Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. (1Joh 3,24)
Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben gemäß dem Gebot, das er uns gegeben hat. (1Joh 3,23)

Was steckt in mir? und Worin stecke ich?
Oder besser gefragt:
WER steckt in mir? und In WEM stecke ich?

Ist es Jesus?

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