„Wacht aber zu aller Zeit, betend, dass ihr stark seid“ – Predigt zum 1. Adventssonntag

Zwei Sätze aus dem Evangelium sind mir noch im Ohr: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28) und „Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt!“ (Lk 21,36)

Jesus schildert uns, um diese Sätze herum, ein Untergangsszenario, das mich an die täglichen Nachrichten erinnert: Katastrophen – globale wie lokale. Angst der Menschen vor dem was uns zu erwarten scheint. Menschen die von den alltäglichen Sorgen ganz und gar gefangen sind. Und Leute, die sich in Parallelwelten, in Rausch und Illusionen der krassen Realität entziehen wollen. 

Auf den ersten Blick sind die Aussichten, die das Evangelium schildert, nicht besser als das, was Weltuntergangspropheten und Verschwörungstheoretiker unserer Tage vorlegen. Doch den entscheidenden Unterschied macht Jesus mit den beiden wichtigen Sätzen, die mir hängen geblieben sind: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28) und „Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt!“ (Lk 21,36)

Eure Erlösung ist nahe!
Der Menschensohn kommt!

Wenn wir heute beginnen, mit dem Advent auf Weihnachten zuzugehen, dann ist das die Botschaft, die uns allen gesagt ist.
„Eure Erlösung ist nahe!“ – Das sagt uns der Advent.
„Der Menschensohn kommt!“ – Das werden wir an Weihnachten feiern.
Genau diese Zusagen wollen uns die Kraft und den Mut geben, uns von den Katastrophen nicht nieder drücken zu lassen, sondern unsere Häupter zu erheben und uns hoch erhobenen Hauptes und in der Kraft, die Jesus uns geben möchte, den Herausforderungen unserer Zeit und unseres Lebens zu stellen. 

Woher sollen wir die Kraft dazu bekommen? Vermutlich nicht aus uns selbst heraus. Ich merke zumindest, dass ich allein aus mir heraus und mit meinen begrenzten Kräften und Schwächen nicht viel ausrichten kann. Aber Jesus hinterlässt uns ein unschätzbares Stärkungsmittel, um hoch erhobenen Hauptes stehen und gehen zu können: „Wacht aber zu aller Zeit, betend, dass ihr stark seid“ (Lk 21,36a). So müsste man das griechische Original der Schlussaufforderung Jesu genau übersetzen. „Wacht aber zu aller Zeit, betend, dass ihr stark seid“ (Lk 21,36a).

Zu aller Zeit wachen, das kann nicht bedeuten, dass wir uns nicht schlafen legen. Ganz im Gegenteil: Wer wachsam sein soll und will, der muss ausgeschlafen sein. Und wer wachsam ist, nimmt Dinge, Signale und Zeichen wahr, die der Müde und die Unausgeschlafene nicht bemerken und schlicht verschlafen. Wachsam sein bedeutet aber nicht nur ausgeschlafen sein, sondern auch mit wachem Blick hinsehen und mit wachem Herzen tiefer sehen als nur auf das scheinbar offensichtliche. „Wacht zu aller Zeit!“ – Ich nehme mir für die Adventszeit nicht nur vor, mir ausreichend Schlaf zu gönnen, sondern auch den Rest des Tages wachsamer zu sein auf die kleinen und oft überhör- und übersehbaren Zeichen zu achten, die mir Gott schickt.

„Wacht aber zu aller Zeit, betend, dass ihr stark seid“ (Lk 21,36a)

„Allezeit beten“, das kann sicher auch nicht bedeuten, den ganzen Tag auf den Knien und mit gefalteten Händen zuzubringen.
Ich möchte in diesem Advent meine Übung „allezeit beten“ wieder mehr praktizieren. Und die geht so:
Ich glaube – ja ich weiß – dass Gott immer und überall da ist. Wie die Luft zum Atmen, die immer da ist.
Haben Sie heute schon daran gedacht, dass die Luft zum Atmen da ist? – Nein? – Sie ist aber dennoch da. Und besonders kann ich sie spüren, wenn ich mich an das offene Fenster stelle und bewusst die frische Luft tief einatme. Da reicht ein kurzer Moment. Und ich kann spüren, wie gut mir die frische Luft tut, die mir das Leben ermöglicht.
Genauso mache ich es mit dem Beten: Ich mache mir für einen Moment bewusst, dass Gott da ist. und ich sage ihm und mir: „Gott, du bist JETZT da!“ Und das mache ich so oft es geht. Egal ob ich am Schreibtisch oder im Auto sitze, ob ich spazieren oder in die Kirche gehe, ja sogar, wenn ich morgens unter der Dusche stehe, oder was auch immer ich sonst tue: „Gott, du bist JETZT da!“ Und ich spüre, dass ER da ist.
Ich habe gelernt, wenn ich das den ganzen Tag über mache – und das braucht keine zusätzliche Zeit – dann merke ich, wie Gott mir bei all dem was ich nebenher tue und denke Seine Gegenwart, Seine Kraft, Seinen Mut und Seine Ideen gibt.

Also, liebe Schwestern und Brüder!
Wir brauchen uns nicht niederdrücken lassen.
Wir dürfen unsere Häupter erheben.
Gott gibt uns die Kraft dazu.
Ich gehe mit zwei Vorsätzen in den Advent: Wachsam sein und allezeit beten!

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