Schatz und Sucher: Das Königreich der Himmel – Predigt an 17. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr A

Wer würde es sich nicht wünschen, dass es hier bei uns himmlisch zugeht?
Wer wünschte sich nicht Zustände wie im Himmel?

Doch wie sieht es im Himmel aus?
Ein Paradies, in dem einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen?
Strände mit Palmen und romantischen Sonnenuntergang?
Ein nie endender Urlaub?
Wohl kaum wird es sein wie beim Münchner im Himmel: mit nie endendem Hallelujasingen.

„Dein Reich komme!“ beten wir mit jedem Vater Unser.
Und wir bitten damit darum, dass das Reich Gottes – das Königreich der Himmel – wie es der Evangelist Matthäus im Evangelium dieses Sonntags genau übersetzt nennt („ἡ βασιλεία τῶν οὐρανῶν“, die „Königsherrschaft der Himmel“) – kommen möge.

Mit zwei Bildern beschreibt Jesus das Himmelreich: Mit dem Schatz, den einer entdeckt und dem Mann, der schöne Perlen sucht und eine besonders wertvolle findet.

Das Königreich der Himmel, ein Schatz:
„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“ (Mt 13,44)

Ich stelle mir die Freude dieses Mannes vor.
Vermutlich hatte er gar nicht damit gerechnet, dass er in dem Acker auf den Schatz stößt. Umso größer ist seine Freude! Sie ist so groß, dass er alles was er besitzt, also alles was ihm bisher wichtig war, was sein Leben bisher erhalten hat, wofür er sich bisher eingesetzt hat, gegen den Schatz eintauscht.

Was ihn bisher sorgte, was ihn bisher trug, worauf er bisher baute, ist viel weniger im Vergleich zu dem, was das Reich Gottes ihm bieten wird.

Es ist wie Liebe auf den ersten Blick. Und wir wissen: verliebte sind zu den verrücktesten Dingen fähig.

MIR stellt der Mann die Frage: „Was in Deinem Leben ist das wirklich wertvolle?“ „Was ist Dein Schatz?“ „Für wen oder was setzt Du Deine Kraft, Dein Geld, Deine Zeit ein?“

Der Mann im Gleichnis setzt alles auf das „Königreich der Himmel“.

Der zweite Mann, von dem Jesus spricht, gibt wie der vorige, alles dran, um das begehrte Objekt zu besitzen.
Aber anders als der Finder des Schatzes hat dieser Mann gezielt nach wertvollen Perlen gesucht.
Sein Suchen gehört, wenn wir den Text genau ansehen, zum Reich Gottes dazu:
„Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.“ (Mt 13,45f)

Es gibt Menschen, die Gott suchen. In denen und in ihrem Suchen ist Gottes Reich schon da.

„Du bist nicht fern vom Reich Gottes!“ (Mk 12,34) sagt Jesus zu einem suchenden und fragenden jungen Mann.

Ich habe in meinem Dienst schon öfter solche suchenden und fragenden Menschen getroffen.
Die sind meist sehr interessante Leute.
Ich denke dabei nicht nur an berufsmäßige Sucher, auch an Theologen und Philosophen.
Ich denke an Menschen, die die Frage nach dem Sinn des Lebens im allgemeinen und nach dem Sinn ihres persönlichen Lebens nicht mehr loslässt.
Mir fallen einige der jungen Männer ein, mit denen ich in meiner vorigen Arbeit im Spätberufenenseminar einen Weg gehen durfte und von denen einige ins Priesterseminar oder in einen Orden gegangen sind und andere sich bewusst für ein Leben in einer Familie entschieden haben.

Man kann nach der Perle suchen.
Und im rechten Moment muss man sich entscheiden.
All das ist schon Reich Gottes.
Und diese Suche ist spannend und fordernd, aber am Ende ist der Gewinn großartig und von großem Wert.
Auch wenn die Perle äußerlich vielleicht nur klein erscheinen mag.
Das ist typisch für das Reich Gottes: Jesus vergleicht es an anderer Stelle sogar mit einem Senfkorn, das ja noch viel kleiner ist als eine Perle. (vgl. Mk 4,30-32 & Mt 13,31-32)

Der Schatz im Acker und der Mann, der schöne Perlen sucht.

Für uns Christen alle gilt: das Reich Gottes, um dessen Kommen wir bei jedem Vater Unser beten, ist auf alle Fälle einen hohen Einsatz wert.
Es beginnt schon hier.
Und mit ihm kommt ein Stück Himmel auf die Erde.
Mit ihm kommen auch wir dem Himmel näher.

Wahrscheinlich genügt es nicht, nur zu sprechen: Vater Unser im Himmel – Dein Reich komme. Es braucht DEINE und MEINE Entscheidung.

 

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