Ihr Schlangenbrut! – Predigt zum zweiten Adventssonntag

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ihr Schlangenbrut!“ (Mt 3,7)

Mit diesem unzweideutigen Schimpfwort bedenkt Johannes der Täufer die Pharisäer und die Sadduzäer.
Eigentlich ist das eine Unverschämtheit!
Denn die Pharisäer sind, wie auch die Sadduzäer, die besseren Leute. Sowohl gesellschaftlich, wie auch religiös.Sie sind die obere Schicht. Sie sind die beiden Gruppen, die religiös, gesellschaftlich und politisch unter den Juden das Sagen haben.
Diese Leute mit „Schlangenbrut“ zu betiteln ist für die sicherlich ein Affront.

Wir erinnern uns daran,dass die Schlange im Alten Testament das personifizierte Böse ist.
Denken wir an die Schlange, die Eva im Paradies verführt.

Ausgeburt des Bösen, so beschimpft Johannes der Täufer die Pharisäer und die Sadduzäer, die zu ihm an den Jordan kommen. Dabei kommen die ja, wie die Anderen auch, um sich taufen zu lassen.

Wie kommt Johannes denn dazu, diese Leute so zu diffamieren?
Was wirft er ihnen vor? Was machen sie falsch?

Sie halten sich doch ganz genau an die Gesetze.
Sie haben sich mit der römischen Herrschaft arrangiert und garantieren so mit den Frieden.
Sie kennen sich genau in der Bibel aus.
Sie sorgen sich um das Wohlergehen der anderen in ihrem Volk und ermahnen sie immer wieder Gutes zu tun.
Sie gehen regelmäßig in den Gottesdienst, halten die Sabbatruhe   und alle anderen Gesetze und sind unbescholtene Bürger.
Mehr noch: sie genießen hohes Ansehen in weiten Teilen der Bevölkerung.
Und diese Leute bezeichnet Johannes, dieser eigenartige Sonderling in der Wüste, als Ausgeburt des Bösen.
Was wirf er ihnen vor?

„wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. (Mt 3,7ff)

Die falsche Sicherheit in der sie sich wiegen wirft er ihnen vor.
Sie meinen, weil sie zum auserwählten Volk gehören, könne ihnen nichts geschehen.
Und mangelnde Fruchtbarkeit ihres religiösen Tuns wirft er ihnen vor.
Was sie tun, das dient dem Schein, hat aber keine greifbaren Folgen.

Schlangenbrut!

Liebe Schwestern und Brüder!
Ich frage mich unweigerlich, wie Johannes uns hier bezeichnen würde, wenn er heute hier die Predigt halten würde.
Er würde ja auf getaufte Christen – Kirchgänger – treffen.
Leute, die sich auf ihrem christlichen Hintergrund aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen.
Er würde ja auf Leute treffen, die sich vermutlich als halbwegs gute Christen sehen.
Er würde auf Leute treffen, die sich an die Gesetze halten und in religiösen Dingen einigermaßen bescheid wissen.
Er würde im Pfarrer sogar einen studierten Theologen vorfinden, einen, der die Leute dazu ermahnt, ein Leben aus dem Glauben zu führen.

Wie würde er uns – hier – heute betiteln?
Ich weiß es nicht und ich möchte auch nicht spekulieren.
Doch ich würde dennoch gerne die Fehler vermeiden, die Johannes den Pharisäern und den Sadduzäern vorwirft.

Die Fehler vermeiden. Was müsste ich dazu tun?
Ich darf mich wohl als erstes nicht mehr in Sicherheit wiegen.
Als Getaufter, der in die Kirche geht und sich an die Gebote hält könnte ich ja meinen, dass bei mir
Gott am Ende auf alle Fälle ein oder zwei Augen zudrücken wird. Ich hoffe es,Aber in Sicherheit wiegen darf ich mich diesbezüglich nicht.
Und ich muss mich wohl fragen lassen, ob mein religiöses Leben Früchte bringt.
Und wir müssen uns wohl fragen, ob unser religiöses Tun Früchte bringt.
Früchte eines positiven religiösen Lebens, und Früchte der echten Umkehr sind:
Freude, Liebesfähigkeit, Mut und Großzügigkeit. Wahrhaftigkeit und echte Liebe. Friedfertigkeit und Geduld. Ein guter Umgang miteinander, Zusammenhalt und Offenheit. Gespür für den Anderen und für die Umstände um sich herum und Bereitschaft zu Veränderung und zum Neuanfang.
Kann man solche Früchte, wenigstens einzelne davon bei mir sehen?
Kann man solche Früchte, wenigstens einzelne davon bei uns sehen?

Lieber Johannes der Täufer: Was sollen wir also tun?

Johannes würde wohl antworten: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ (Mk 3,2) „Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet Ihm die Straßen!“ Räumt weg, was hinderlich ist, dass Gott zu euch kommt.
Wisst, dass auch vermeintlich fromme Dinge dem Kommen Gottes im Wege sein können.
Falsch verstandene Frömmigkeit und Festhalten an falsch verstandenen oder sinnentleerten Traditionen kann für das Kommen Gottes in Dein Leben ebenso hinderlich sein, wie der Sündenschrott, der sich um dich herum ausgebreitet hat.
Die fehlende Offenheit und mangelnde Freude am Neuen kann für Gottes Kommen vielleicht sogar noch hinderlicher sein als Desinteresse oder offener Widerspruch.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wie würde Johannes uns betiteln, wenn er uns die Predigt halten würde?
Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, dass er uns alle dazu auffordern würde, seine Mahnung ernst zu nehmen:
„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ (Mk 3,2) und: „Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet Ihm die Straßen!“ Und bringt Früchte hervor!

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