Gottes ZU-MUTUNG – Predigt zum 19. Sonntag im Jahreskreis

„Ich kann nicht mehr!“
Nach diesem anstrengenden Corona-Jahr geht es – denke ich – vielen Leuten so.
„Es reicht!“ – „Ich mag nicht mehr!“

Nachdem wir uns in den zurückliegenden Monaten alle möglichen und unmöglichen Einschränkungen auferlegt haben, steigen die Zahlen wieder, bangen wir, ob eine vierte Welle kommt. Es war und ist eine echte Zumutung.

„Ich kann nicht mehr!“ – „Es reicht!“ – „Ich mag nicht mehr!“

So mag es auch dem Propheten Elija gegangen sein, von dem wir in der Lesung gehört haben.
Er, der Streiter für Gott – für JHWH den einzigen Gott – er hatte – so berichtet die Bibel ein Kapitel vorher (1 Kön 18) – die Priester des heidnischen Baal herausgefordert.
Er hatte die verspottet, die von den Mächtigen gefördert worden waren. Er hatte sich gegen den Mainstream gestellt. Und er hatte – mit mächtiger Hilfe JHWHs – gewonnen.
Er hatte ein Glanzstück in Gottvertrauen erlebt und sichtbar gemacht. Wie es sich für einen Gottesmann 
– einen Propheten – gehört. Er hatte hunderte der Gegner JWHWs zur Stecke gebracht. Dass die Mächtigen das nicht einfach so hinnehmen würden, war zu erwarten gewesen.
Der König, der dem heidnischen Gott verfallen war, hat ihn verfolgen lassen.
In dieser Situation – alleingelassen – geht Elija in die Wüste, setzt sich unter einen Ginsterstrauch und seufzt: „Ich kann nicht mehr!“ – „Es reicht!“ – „Ich mag nicht mehr!“
Hatte er vielleicht vorher gemeint und den Eindruck vermittelt, dass er etwas Besonderes wäre, so ruft er jetzt verzweifelt aus: „ich bin nicht besser als meine Väter“ (1Kön 19,4).
Elija ist echt am Ende seiner Kraft.

Jetzt – vor meinem Urlaub – kann ich das nur allzu gut nachempfinden.
Und wie mag es erst denen gehen, die nicht einmal Aussicht auf Urlaub, auf Erholung, auf Erleichterung haben?

Die Geschichte von Elija zeigt mir als erstes, dass ich mich nicht schämen muss, wenn ich müde und erschöpft bin. Es ist nicht anrüchig, dass ein Mensch den Punkt erreicht, an dem er ausgelaugt ist und den Eindruck hat, dass er nicht mehr weiterkann.

Als zweites sehe ich an Elija, dass Gott seinen Zustand wahrnimmt. Es entgeht IHM nicht, wie es dem geht, der auf IHN seine Hoffnung gesetzt hatte. Gott bleibt es nicht verborgen, wie es uns geht. 
ER kennt alles, was dazu geführt hat, dass es uns so geht, wie es uns geht.

Und was tut Gott dann?

Dem Elija stellt er Brot und Wasser hin.
Und durch den Engel lässt er ihm zweimal sagen: „Steh auf und iss!“ (1 Kön 19,5.7)
Unscheinbar ist, was Elija von Gott erhält.
Die einfachste denkbare Speise – Brot – und den einfachsten denkbaren Trank – Wasser.

Keine Wundermedizin, keinen Zaubertrank. „Nur“ Brot und Wasser.

Für mich sagt das: Auch wenn ich im Zustand der Erschöpfung, in einer scheinbar aussichtslosen Situation von Gott ein Wunder erwarten würde, ER wird mir „nur“ das geben, was da ist, was natürlich ist, was erreichbar ist.
Aber das gibt er!

Wenn ich mich umblicke, dann kann ich die einfachen Dinge, gewissermaßen „Brot und Wasser“ sehen: Menschen, die mit Mut machen, Momente, die mir kleine Freuden machen, die Dinge, die ich brauche, um zu überleben.

Gott sieht den erschöpften Elija.
ER gönnt dem Elija eine Pause und stellt ihm Brot und Wasser hin.
Und Gott fordert Elija auf: „Steh auf und iss!“ (1 Kön 19,5.7)
Nach der zweiten Aufforderung „Stand Elija auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.“ (1 Kön 19,8)

Die „Speise“ ist nicht nur das Brot und das Wasser. Es ist auch die Ermutigung durch Gott.
Gott mutet dem Elija zu, ER schenkt ihm den Mut und die Kraft, den beschwerlichen Weg in die Zukunft zu gehen.

Ich weiß nicht, ob Sie in den kommenden Wochen einen Urlaub genießen können. Wenn ja – wie schön für Sie. Ich freue mich ehrlich auf meinen Urlaub.
Aber unabhängig davon wünsche ich Ihnen allen, die Erfahrung, die der Prophet Elija machen konnte:

Gottes ZU – MUTUNG.

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