Glauben(s)ZEUGEN – Predigt am Fest Christi Himmelfahrt

Mitten in dem Bericht des Evangelisten Lukas steht ein Begriff, der mir der Schlüsselbegriff für die Zukunft des Glaubens und der Kirche zu sein scheint: ZEUGEN

Ihr seid Zeugen (Lk 24,48) sagt Jesus zu seinen Jüngern kurz vor seiner Himmelfahrt. ZEUGEN des Todes und der Auferstehung Jesu. Zeugen dafür, dass Jesus lebt. Diese Zeugen haben die Botschaft Jesu weiter getragen.

ZEUGEN sind für die Zukunft des Glaubens und der Kirche schon immer von existenzieller Bedeutung. Unser gesamter Glaube gründet sich auf das Zeugnis der Apostel und das Zeugnis all derer, die Jesus kennengelernt und erlebt haben. Das gilt nicht nur für die letzten 2000 Jahre Christentum, sondern auch für unsere Gegenwart und für die Zukunft.
Wer sind denn die Zeugen, denen Sie Ihren glauben verdanken? Mir selber fallen meine Eltern ein, meine Großeltern, Priester, mit denen ich zu tun gehabt habe, aber auch andere Gestalten des Glaubens. Manchmal sind ganz einfache Menschen sehr authentische Zeugen.
Zeugen, denen man Glauben schenken soll, müssen glaubwürdig sein. Das was man sie erzählen hört, sollte mit der Wirklichkeit ihres Lebens übereinstimmen. Und Zeugen müssen Zeugnis geben von dem, was sie erfahren, oder – besser noch – von dem was sie erlebt haben. Zeugen brauchen Mut zum Zeugnis, denn manche wollen nicht hören, was die Zeugen des Glaubens zu sagen haben. Manchmal stören Glaubenszeugen das Weltbild ihrer Umwelt. Oft aber machen Glaubenszeugen Mut und ermuntern die die sie hören oder erleben, selbst im Glauben und im Leben weiter zu gehen. Zeugen sind für unseren Glauben von existenzieller Bedeutung.

Ich erinnere mich an das Zeugnis meines Vaters, der kurz vor seinem Tod, gezeichnet vom Krebs und den unsäglichen Schmerzen, die er leiden musste, in seinem Bett lag. Ich saß neben ihm und er zeigte auf Christus am Kreuz an der gegenüberliegenden Wand und sagte: „Wenn der da nicht wäre, würde ich das nicht aushalten!“ Dieser Satz hat mich geprägt und ist mir bis heute präsent. 
Ich erinnere mich an das gelebte Zeugnis von Papst Johannes Paul II. Als wir ihn 1987 in der Sakristei des Augsburger Domes begrüßen durften, hatte ich den Eindruck, dass dieser alte und schwache Mann jetzt eher ein Bett, als einen Gottesdienst mit tausenden von Menschen braucht. Und ich habe verstanden: „Wenn dieser alte und schwache Mann als Oberhaupt der Kirche taugt, dann kann auch ich gebraucht werden mit meinen Schwächen und Unzulänglichkeiten.“ Diese Begebenheit prägt mich bis heute.

Wer sind denn die Zeugen für IHREN Glauben? Was haben sie gesagt oder getan, was ihren Glauben und IHR Leben prägt? (Stille zum Überlegen)

Unser Glaube gründet auf Zeugen. Zeugen waren wesentlich für unseren Glauben. Und Zeugen sind wesentlich für den Glauben – unseren eigenen – und den Glauben der uns nachfolgenden Generationen.
Auch wir sind Zeugen des Glaubens. Ich frage mich, ob ich ein glaubwürdiger Zeuge für den Glauben bin. Ich bemühe mich. Und ich frage Sie, ob Sie glaubwürdige Zeugen für den Glauben sind. Und ich frage mich weiter: Wie gebe ich Zeugnis von meinem Glauben. Ist es gewinnend? Kommt mein Zeugnis bei den Menschen die mich erleben an? Verstehen sie es? Habe ich Mut zum Zeugnis, auch da wo es mal schwierig wird und etwas „kostet“? 

Ich frage Sie heute: Für wen sind SIE Zeugin oder Zeuge? 
Und wie gelingt Ihre Zeugenschaft? (Stille zum überlegen)

Ich merke für mich, dass da immer Luft nach oben ist. Aber für die Zukunft scheint es mir – wie gesagt – von existenzieller  Bedeutung zu sein, dass wir alle Zeugen sind.

Erlauben Sie mir zum Schluss noch einen vielleicht motivierenden Gedanken: Im Deutschen hat das Wort ZEUGEN zwei Bedeutungsfelder, abhängig von der Schreibweise. Was Zeugen mit groß geschriebenem Anfangsbuchstaben bedeutet, darüber haben wir nachgedacht. Was das Wort ZEUGEN bedeutet, wenn man das „z“ am Anfang klein schreibt, beschreibt die Wirkung: GlaubensZEUGEN zeugen Glaubende.

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