EMPFANGT HEILIGEN GEIST! – Predigt zum Pfingstfest

Der Prediger stellt sich mitten in die Kirche, schaut die Gläubigen und sagt:
FRIEDE EUCH!
Dann zeigt der Prediger die Gläubigen seine Hände.

Wie muss es wohl den Jüngern, die im Abendmahlssaal versammelt waren, gegangen sein, als Jesus, der Auferstandene, plötzlich in ihre Mitte trat? Sie waren ja völlig verunsichert gewesen. Der Karfreitag war erst zwei Tage vorbei. Bevor Jesus am Kreuz gestorben ist, waren sie alle davongelaufen. Vielleicht hatten sie aus der Ferne zugesehen. Jetzt saßen sie da in dem Saal, bei verschlossenen Türen. Vermutlich voller Angst, dass ihnen das gleiche Schicksal bevorstehen würde, wie Jesus. Verunsichert: Wie soll es weiter gehen? All ihre Hoffnungen auf eine gute Zukunft waren verschwunden.

Und plötzlich trat Jesus in ihre Mitte. Und er zeigte ihnen seine Hände und seine Seite, seine Wunden.
Es sind die Wunden, die die Nägel und die Lanze hinterlassen hatten. Die Wunden, die für sein schmachvolles Leiden und seinen Tod stehen. Die Wunden, die auch ihre – der Jünger – Angst und Verzweiflung sichtbar machen. Aber die Wunden sind anders: nicht mehr schmerzhaft und blutend, nicht mehr todbringend.
Verklärt.
Sie zeugen von dem was ER durchgemacht hat und indem ER sie ihnen zeigt, zeigt ER, dass ER sie überwunden hat. Der Tod hat keine Macht mehr über IHN. (vgl. Röm 6,9) Die Jünger freuten sich, dass sie den Herrn sahen. (Joh 20,20b)

Und noch einmal sagt Jesu zu ihnen: „FRIEDE EUCH! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20,21)

Und dann tut Jesus etwas Eigenartiges:
Der Prediger haucht die Gläubigen an.
„EMPFANGT HEILIGEN GEIST!“ sagt Jesus wörtlich zu ihnen.
Der Hauch Jesu ist Sinnbild des Geistes (im hebräischen wie im griechischen bezeichnet das gleiche Wort: Atem, Hauch und Geist), der Hauch Jesu ist Sinnbild des Geistes den ER sendet, das Prinzip der neuen Schöpfung.

Mit diesem Hauch, beginnt ein neues Kapitel, eine neue Schöpfung. Jesus haucht seinen Jüngern den Atem Gottes zu. Gottes Atem soll auch ihre Lungen erfüllen, ihnen neues Leben geben.
So wie Gott bei der Schöpfung dem Menschen den Lebensatem in die Nase blies (vgl. Gen 2,7), sollen auch die von IHM angehauchten den Atem Gottes atmen, neues Leben in sich tragen. Auch uns haucht Jesus den Atem Gottes zu und ER sagt heute am Pfingstfest auch zu uns: „EMPFANGT HEILIGEN GEIST!“
Den Geist der Weisheit und der Einsicht, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Erkenntnis und der rechten Sicht auf Gott(vgl. Jes 11,2)
Atmet diesen Geist in Euch, lasst eure beiden Lungenflügel vom Geist Gottes erfüllt sein. Und wo ihr hingeht, da verbreitet diesen Geist.

Durch Corona haben wir gelernt, was die Aerosole bewirken, und wie durch unseren Atem Viren in unserer Umgebung verteilt werden. Der Auferstandene Jesus zeigt und sagt uns heute: Verteilt den Atem Gottes, den ich Euch schenke, in Eurer Umgebung. Infiziert die ganze Welt mit dem Virus des lebendigen und liebenden Gottes. Steckt alle an mit der Freude, die Gottes Geist in Euch bewirken will. Bring zu allen, die Euch begegnen, die Zuversicht, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Atmet selbst das Leben und lasst alle um Euch herum diesen Atem Gottes spüren.

Liebe Schwestern und Brüder!
Geht uns nicht oft die Luft aus? Hängt über unserer Welt nicht viel zu oft eine Dunstglocke, unter der mancher zu ersticken droht? Stinkt es in unserer Welt nicht viel zu sehr nach Gier und Egoismus? Riecht es in unserer Welt nicht viel zu sehr nach Gewalt, Tod und Zerstörung?

Jesus haucht seinen Jüngern Heiligen Geist zu. Jesus haucht auch in unsere Nasen Heiligen Geist.
Es liegt auch bei uns, ob der Atem Gottes in uns eindringen kann. Wenn wir uns mit einer Hand die Nase und mit der Anderen den Mund zu halten, dann kann Gottes Atem nichts bewirken.
Wenn wir aber unsere Hände öffnen, uns von Jesus anhauchen lassen und den Atem Gottes in uns aufsaugen, dann wird auch durch unser Zutun die Welt neu werden. Die Welt in uns und die Welt um uns herum.

FRIEDE EUCH! – EMPFANGT HEILIGEN GEIST!

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