„Der Priester, der aus dem Dienen lebt.“ Predigt vor der Priesterweihe und Primiz von Markus Kraus (Friesenried)

Vor der Priesterweihe und Primiz von Markus Kraus war ich eingeladen diese Predigt in seiner Heimatgemeinde Friesenried zu halten. Markus selbst war schon bei den Exerzitien, mit denen sich die Kandidaten auf die Weihe vorbereiten.

Eigentlich hätte ich die Predigt heute dem Markus halten wollen. Nun ist er nicht da, aber das, was ich heute sagen möchte, ist ja ohnehin nicht nur an einen zukünftigen Priester gerichtet, sondern vor allem an Sie und auch an alle Menschen, die als gläubige Christen leben wollen. 

Die Priester sind in der Kirche lediglich an exponierter Stelle, doch haben wir alle, alle Getauften, durch die Taufe Teil am Priestertum Jesu Christi. Und nehmen Teil an SEINEM Dienst. Dem Markus werde ich mein Manuskript geben und auch im Internet auf meiner Website schnirch.de kann man nachlesen, was ich sage. 

Markus hat mir für die Predigt das Thema gestellt: „Der Priester, der aus dem Dienen lebt.“
In meinen Ohren klingt das beim ersten Hinhören ganz schön schwer. „Der Priester, der aus dem Dienen lebt.“
„Dienen“ klingt danach, dass man Dinge tun muss, die einem jemand anderer anschafft; Tätigkeiten, die mit viel Mühe verbunden sind. Der Diener muss seinem Herrn gehorchen und wird von ihm allzu leicht ausgenutzt. Es klingt irgendwie nach Last. 
Und dann sagt Jesus im Evangelium auch noch: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9,23)
Ist es also eine Last, Priester zu sein? Kann man heute überhaupt noch jemandem raten, diesen Weg zu gehen, Jesus in diesem Dienst nachzufolgen? Ist das nicht viel zu schwer? 

„Der Priester, der aus dem Dienen lebt.“

Ich selber bin vor 31 Jahren Priester geworden und habe schon die verschiedensten Höhen und Tiefen mitgemacht. Und mit Blick auf meine eigenen Erfahrungen ist mir klar geworden, dass der erste Dienst, aus dem ich lebe, nicht meine pastorale Arbeit, mein Einsatz für die mir anvertrauten Leute und das was ich als Pfarrer so zu tun habe, ist.
Der Erste Dienst, aus dem ich lebe, ist Gottes Dienst. Gottes Dienst an mir und Gottes Dienst an den Menschen, zu denen er auch mich schickt. Es ist Gottes Dienst, den ER leistet und für den ein Priester allenfalls als Helfer, als Übersetzer, als Deuter, als Sprachrohr dient.
Gott leistet den eigentlichen Dienst, wenn Menschen von einer Predigt angesprochen werden. Gott ist am Werk, wenn in einer Firmvorbereitung Jugendliche für das Evangelium begeistert werden. Gott berührt die Herzen, wenn Menschen beim Gespräch über ihr Leben plötzlich eine neue Perspektive bekommen. Und nicht zuletzt wirkt ja auch Gott, wenn der Priester die Sakramente spendet.

Der erste Dienst, aus dem heraus ich nur leben kann, ist Gottes Dienst an mir. 
Wir alle, liebe Schwestern und Brüder, Sie, und Du und ich können nur aus der Liebe, die Gott zu Ihnen, zu Dir und zu mir hat heraus als Christen leben. Wenn und wo jemand vergisst, dass Gott uns zuerst geliebt hat (vgl. 1 Joh 4,19), dass Gott es ist, der uns dient, da wird es gefährlich! Da besteht die Gefahr, dass wir uns nur um unsere eigenen Ideen drehen und nicht mehr das Evangelium Gottes, sondern uns selber verkünden. Das wäre fatal und widerspräche dem, was Jesus möchte.

Jesus stellt im Evangelium seinen Jüngern die entscheidende Frage: „für wen haltet ihr mich?“ (Lk 9,20). Es ist DIE Frage für jeden Christen: Wer ist Jesus für DICH? – Für wen hältst Du Jesus? Petrus antwortet: „Für den Christus Gottes.“ (Lk 9,20) Freiere Übersetzungen geben seine Antwort mit „du bist der Christus, den Gott zu uns geschickt hat!“ (Volxbibel) oder „Du kommst von Gott!“ (Evangelium in leichter Sprache) wieder.

Gott hat Jesus Christus gesandt. Und weil Gott uns so zuerst gedient hat, können wir Christen sein und als Christen leben. Und weil Gott uns zuerst gedient hat, kann auch ein Priester einer sein, „der aus dem Dienen lebt“. Der erste Dienst, aus dem heraus der Priester lebt, ist also Gottes Dienst.

In den vielen Jahrzehnten meines eigenen Dienstes habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein zweiter Dienst für mein Tun als Priester nicht nur ein wesentlicher Antrieb, sondern geradezu eine Voraussetzung ist.
Es ist der Dienst der Gemeinde. Der Dienst all derer, die zur Gemeinschaft der Kirche, der Christen hier, wo ich arbeiten darf, zählen.

Der Priester lebt aus dem Dienst der Gemeinde.
Aber nicht falsch verstehen: Es ist nicht gemeint, dass die Gläubigen dem Priester dienen müssten. Vielmehr meine ich den Dienst, den die vielen verschiedenen engagierten Frauen, Männer und Jugendlichen für das Leben der Gemeinde, letztlich für den Aufbau des Reiches Gottes tun. 
Ohne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pastoral, in den Kindergärten, in den Schulen, in der Verwaltung, im Gottesdienst und – nicht zu vergessen – im Gebet, könne ich meinen priesterlichen Dienst nicht tun. 
Wir Priester könnten uns noch so anstrengen, noch so viel predigen, lehren und Gutes tun, mit noch so vielen Menschen sprechen und Leute begleiten, wenn der Raum der lebendigen Kirche vor Ort fehlt, fehlt der Boden, auf dem Kirche wachsen kann. 

Deshalb möchte ich Euch heute bitten: macht weiter in Eurem Dienst für das Reich Gottes! Als Eltern und Großeltern, als engagierte Frauen und Männer, als Ministranten, im Chor, in Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung, als Mitarbeiterin und Mitarbeiter. 
Der Priester, der aus dem Dienen lebt, lebt auch aus Eurem Dienst.

Der Priester lebt nicht nur aus Gottes Dienst, 
sondern auch aus dem Dienst der Gemeinde.

Und – und das ist ebenfalls meine Erfahrung in den Jahren meines eigenen priesterlichen Dienstes: 
Der Priester lebt auch aus dem Dienst, den er selber tut. Aus der Freude, die der Dienst macht, aus dem Erfolg, den man auch gerne sehen mag, aus der Befriedigung, die Erfüllung der Aufgaben bewirkt, vor die einen der Dienst stellt.
Eine Predigt da, einen Krankenbesuch dort, eine Stunde mit Kindern, eine Beratung mit Mitarbeiterinnen, die Begleitung eines Sterbenden, das Gespräch mit einem Paar, das heiraten will, die Taufe eines Säuglings, aber auch die Hilfe für einen bedürftigen Menschen. 
Breit gefächert sind die Dienste, die ein Priester zu übernehmen hat. Und wenn man nicht aufpasst, dann könnte man zwischen den verschiedenen Aufgaben auch zerrieben werden.
Wie in jedem Beruf sind auch Sachen dabei, die man lieber nicht machen würde. Da sind wir dann wieder bei dem täglichen Kreuz, das Jesus zu tragen aufträgt (vgl. Lk 9,23).
Und wie in jedem Beruf, ist es lebenswichtig, immer neues dazu zu lernen, die Zeichen der Zeit zu erkennen, den Menschen „aufs Maul“ und in die Augen zu schauen. Ihre Sorgen und Freuden zu kennen. Und – ganz grundlegend – die Menschen zu lieben und sich immer wieder an die eigene „erste Liebe“ zurück zu erinnern, das, weshalb wir das was wir tun tun und auch künftig tun wollen.

Der Priester lebt auch aus dem Dienst, den er selber tut.
Übrigens gilt das in gleicher Weise auch für alle anderen Menschen, die einen Dienst tun!

Wenn der Markus heute da wäre, würde ich ihm sehr deutlich sagen: „Lass Dich von Deinem Dienst und von den vielfältigen Erwartungen, an Dich nicht auffressen!“. „Pass auf, dass Du nicht unter die Räder kommst!“ Die Gefahr besteht immer.

Aber wenn einer nicht vergisst, dass er zuerst aus dem Dienst Gottes lebt, und aus dem Dienst der Gemeinde, dann hat er – ob Priester oder nicht – das nötige Korrektiv und den nötigen Rückhalt, seinen und ihren Dienst gut und mit Freude zu tun, ja als Christ und auch als Priester zu leben.


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