Danken und Teilen – Predigt zum Erntedankfest am 27. Sonntag im Jahreskreis Lj. C

Liebe Schwestern und Brüder!

Mit viel Liebe wurden für das Erntedankfest in all unseren Gemeinden Erntealtäre hergerichtet.
Kartoffeln und Getreide, Brot und Gemüse, Obst in allen Varianten und vieles mehr ist da zu sehen und schön angerichtet.

Zuerst einmal DANKE denen, die viel Mühe darauf verwendet haben, diesen Erntealtar herzurichten.

DANKE steht in unsichtbarer Schrift über dem Erntealtar. Zuerst DANKE für all die guten Gaben, die wir hier sehen und von denen wir wissen, dass sie uns geschenkt sind. Dieses unsichtbare DANKE gilt dem, der uns diese Gaben geschenkt hat. Es gilt GOTT.

Natürlich haben die Landwirte und viele andere im verarbeitenden Gewerbe, im Handwerk und Handel auch noch ihren Anteil daran, dass uns diese Gaben zur Verfügung sind. Freilich sei auch denen ein Vergelt’s Gott gesagt.

Selbst auf die Gefahr hin, dass das schöne Bild gestört wird, das uns dieser Erntealtar bietet, könnte doch jeder von uns noch andere Dinge dazulegen.Ich habe noch einige Dinge mitgebracht, die ich dazulegen möchte:

Eine Uhr: Ich bin dankbar für die Zeit, die Gott mir geschekt hat, für fast 51 Lebensjahre, für mehr als 25 Jahre im priesterlichen Dienst, für jeden Tag, den ich erleben darf.

Eine Jacke: Diese Jacke trage ich gerne im Winter, der jetzt wieder vor der Tür steht. Mit dieser Jacke verbinde ich den Dank dafür, dass wir nicht nur genügend zu Essen, sondern auch genügend Kleidung haben. Und ich denke dabei an die Menschen, die ich in Brasilien getroffen habe und die nur die Kleidung besitzen, die sie am Leib tragen: ein T-Shirt, eine Turnhose und ein paar Flip-Flops.

Eine Rolle Toilettenpapier: Ich verbinde damit den Dank dafür, dass ich in sauberen hygienischen Verhältnissen leben darf. Mehr als 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberen Toiletten.[1] Die Folge sind Krankheiten und Seuchen.

Eine Flasche Wasser: Dieses Wasser erinnert mich daran, dass jeder dritte Mensch auf der Erde keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat.[2] Wir haben davon immer genug, ja wir spülen kostbares Trinkwasser die Toilette hinunter.

Eine Zeitung: Die Zeitung erinnert mich daran, dass wir in einem Land leben dürfen, in dem Pressefreiheit herrscht, in dem man sagen darf, was man denkt und keine Angst davor haben muss, wegen seiner Meinung eingesperrt zu werden. Dieses Vorrecht haben viele Menschen nicht: In mehr als zwei Dritteln der Länder dieser Welt ist die Pressefreiheit eingeschränkt, in einem Drittel der Länder gibt es sie gar nicht.[3]

Die Urkunde, Mit der mir unser Bischof zum 25-jährigen Priesterjubiläum gratuliert hat: Eigentlich müsste ich auch noch meinen Geldbeutel dazu legen oder meinen Gehaltszettel. Wie viele Menschen haben keine Arbeit und kein geregeltes Einkommen?

Ein Verlängerungskabel: Ich erinnere mich an meinen Besuch in Kenia: Viele Menschen dort haben – wie viele auf der ganzen Welt – keinen Strom. Für uns ist es selbstverständlich, dass aus der Steckdose Strom kommt, den wir uns gar nicht mehr wegdenken können aus unserem Leben.

Eine Schwimmflosse: Die erinnert mich an den Urlaub. Und sie erinnert mich an die Menschen, die keine Möglichkeiten haben zu einer Verschnaufpause und zur Erholung.

Schließlich eine Computertastatur: Sie steht für mich als Zeichen dafür, dass ich in einem Land leben darf, in dem fast alle am Fortschritt teilhaben können.

Und dann noch meinen Reisepass: Wir können uns frei bewegen, gehen wohin wir wollen. Der deutsche Pass gilt als der wertvollste auf der ganzen Welt. Mit ihm können wir 177 Länder visumfrei bereisen.[4]

Einen Sanitätskoffer: Wir haben ein funktionierendes Gesundheitswesen, können jederzeit zum Arzt gehen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Noch vieles andere könnten wir zu dem Erntealtar dazu legen. Und wenn wir heute Entedank feiern, dann will ich damit auch die Dankbarkeit für all das Andere verbinden. Dass wir all das haben und genießen können ist keine Selbstverständlichkeit und erst recht nicht unser Verdienst.Arbeiten nicht auch die Menschen in den ärmeren Ländern dieser Welt? Ja sogar für viel geringere Löhne als wir?
Was können wir dafür, dass wir in Frieden und Freiheit leben können? Könnte es nicht auch ganz anders sein? Geht es uns nicht auch wie dem Sklaven im Evangelium, der sich abmüht und dennoch nicht Herr über das ist, was er geschafft hat?

DANKE mehr noch: GOTT – SEI – DANK, So steht unsichtbar über dem Erntealtar.

Und doch frage ich mich, ob wir bei diesen Worten stehen bleiben können und uns dann einfach bequem zurücklehnen. Ob wir in der Betrachtung des Erntealtars verharren dürfen?
Müsste nicht unser Dank eine spürbare Folge haben?
Müsste nicht die Dankbarkeit greifbarer sein als nur in Worten?

Wenn wir in die Heilige Schrift schauen, dann wimmelt es geradezu von Aufforderungen
zur Tat. Die Tat, die dem beschenkt Sein folgen muss, damit es nicht zum Egoismus wird, ist das Teilen. Die innere Einstellung, die der Dankbarkeit folgen muss, ist die Großzügigkeit.

So will uns das Erntedankfest einladen, über den Rand unseres gefüllten Tellers hinaus zu schauen. Von unserem reich gedeckten Tisch aufzustehen und Andere an dem teilhaben zu lassen, für das wir heute dankbar sind.

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin der festen Überzeugung, dass das der einzige erfolgreiche Weg ist, um das zu sichern, wofür wir heute danken und womit wir selbst beschenkt worden sind.

[1] Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/who-bericht-zu-trinkwasser-versorgung-und-toiletten-hygiene-a-968283.html

[2] Quelle: http://medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=4784&edit=0

[3] Quelle: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2015/

[4] Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/article155918468/Der-deutsche-Pass-ist-der-wertvollste-der-Welt.html

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