Wir alle haben Teil am Priestertum Jesu Christi – Predigt am 5. Sonntag in der Osterzeit

Bei einigen Gottesdiensten haben wir mit den Feuerwehren die Floriansmesse gefeiert. Die für die Worte, die sich besonders an sein richten, sind hier kursiv geschrieben.

In der Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir gehört, wie die junge Christengemeinde gewachsen ist.
Die Apostel hören, spüren und verstehen, dass sie nicht die alleinigen Macher in der Gemeinde sein können. Sie holen andere dazu. Sie übertragen ihnen Verantwortung. Setzen Menschen ein, die sich kümmern, die dienen, und mithelfen die Einheit in der Gemeinde zu sichern.

Heute feiern wir gemeinsam mit den Feuerwehrleuten die Floriansmesse.

Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Menschen, die da sind, wenn andere in Not sind.
Menschen, die nicht lange fragen: Ist das jetzt meine Aufgabe? sondern handeln.
Menschen, die sich haben in Dienst nehmen lassen.

Menschen, die zusammenarbeiten und sich einreihen in eine Struktur.
Auch in der Kirche ist das so.

Nicht einer macht alles, sondern viele tragen gemeinsam die Gemeinde.

Am Ende der Lesung steht der Satz, über den ich in den letzten Tagen gestolpert bin: „Auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.“ (Apg 6,7b)
Diese „Priester“ – griechisch „hiereus“ – haben im jüdischen Tempel die Aufgabe als Vermittler zwischen Gott und den Menschen, Opfer darzubringen.
So ein Verständnis von „hiereus“-„Priestern“ findet sich nicht nur im Judentum. Auch andere Religionen kennen das, dass der normale Gläubige einen Vermittler braucht, um in Beziehung mit Gott zu kommen.
Diese „hiereus“-„Priester“ bringen Opfer dar, um Gott gnädig zu stimmen, ihn den Menschen gewogen zu machen.

Bei uns im Christentum brauchen wir das nicht.
Denn Jesus ist DER Mittler zum Vater.
Seit seinem Tod am Kreuz braucht es keine Opfer mehr, um Gott gnädig zu stimmen.

Im Evangelium haben wir Jesus sagen hören: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6)
Durch Jesus ist der Zugang zum Vater – zu Gott – geöffnet. „In ihm haben wir den freien und vertrauensvollen Zugang (zu Gott), den der Glaube an IHN schenkt.“ (Eph 3,12)
Das heißt: Das antike und archaische Bild von „hiereus“-„Priestern“, die Bindeglieder zwischen Gott und den Menschen sind, ist in unserer Sicht – in unserer Beziehung zu Gott nicht mehr nötig. 
Es braucht keinen Menschen mehr, der erst den Zugang zu Gott eröffnen müsste.
Vielmehr hat jeder und jede Getaufte durch die eigene Beziehung zu Jesus und durch Jesus selbst Zugang zu Gott.
Wir sind Kinder Gottes und können immer und mit allem zu Gott unserem Vater kommen.

Jesus ist DER „Priester“. Und an Seinem Priestertum haben wir alle – alle Getauften Anteil.
Die Theologie spricht vom „Allgemeinen Priestertum“.

Für den Dienst an den Gemeinden kennt schon die frühe Kirche „presbyteroi“ – wörtlich übersetzt: „Älteste“ – die die Gemeinden leiten und auch den gottesdienstlichen Feiern vorstehen.
Von dem Wort „presbyteroi“ leitet sich das deutsche Wort „Priester“ ab.

Diese (neutestamentlichen) „Priester“ haben aber keine höhere Würde oder wertvollere Aufgabe als die anderen Getauften.
Das kirchliche Gesetzbuch, der Codex Iuris Canonici sagt: „Unter allen Gläubigen besteht aufgrund ihrer Wiedergeburt in Christus (in Taufe) eine wahre Gleichheit in ihrer Würde und Tätigkeit.“ (can. 208)

Kurz gesagt: DU und SIE und ICH, wir alle, sind „gleich-würdig“. Und auch das, was die Verschiedenen in den verschiedenen Diensten und Ämtern in der Gemeinde tun, ist „gleich-wertvoll“.

Der Pfarrer, die Kirchenreinigerin, die Ministranten, die Gottesdienstbesucher, die stillen Beter, die Neugetauften – ja auch die Schwerkranken und die Kleinkinder, haben alle die gleiche Würde und je eigene Aufgaben, die nicht mehr oder weniger wert sind.

So gesehen ist es fraglich, ob man jemanden als – HOCHWÜRDEN oder gar HOCHWÜRDIGSTEN HERRN – betiteln kann.

Durch die Taufe und weil wir mit Jesus Christus verbunden sind, sind wir alle Brüder und Schwestern.
Mit unterschiedlichen aber gleich wertvollen Aufgaben in der Gemeinde und in der Gesellschaft.
Die geweihten (neutestamentlichen) Amtspriesterhaben die Aufgabe das priesterliche Volk zu bilden und zu leiten und in der Person Christi die Sakramente zu feiern. So sagt es das II: Vatikanische Konzil (vgl. Lumen Gentium 10).

Kurz gesagt die Priester, wie wir sie in der Kirche kennen, stehen im Dienst an den Gläubigen und gehören mit ihnen zum gleichen Volk der Kinder Gottes.
Das „Allgemeine Priestertum“ aller Gläubigen zeigt sich nicht in Worten, sondern in Taten.

Liebe Frauen und Männern der Feuerwehr! 
Ihr geht dorthin, wo es brennt.
Ihr geht dorthin, wo andere lieber Abstand halten.
Ihr setzt Euch ein – manchmal unter Gefahr für das eigene Leben.

Das ist genau das, wozu Jesus uns alle auffordert: Das Leben hinzugeben. Nicht um uns selbst zu kreisen. Füreinander da zu sein. Das ist Gottesdienst im tiefsten Sinn.
Wenn Sie als Feuerwehrfrau oder Feuerwehrmann ausrücken, dann bringen Sie Ihr Leben ein. Ihre Zeit. Ihre Kraft. Ihre Bereitschaft.
Dafür sagen wir Euch heute DANKE und erbitten alle zusammen Gottes Segen für Eueren Dienst am Gemeinwohl.

Ein Gemeinwesen, eine Kirchengemeinde, ebenso wie eine Kommune oder ein Verein, lebt von Menschen, die sich in verschiedenste Dienste nehmen lassen. Alle unterschiedlichen Dienste sind in ihrer Würde gleich. Und für alle Dienste in unseren Gemeinden und Vereinen sind wir, liebe Schwestern und Brüder, dankbar.

Oder nicht?

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