Diese Birne ist bei mir im Garten gewachsen.
Heuer war der Ertrag des Birnbaumes im Pfarrgarten von Rehrosbach gewaltig. Ich konnte die vielen Früchte gar nicht alle ernten. Im vergangenen Jahr waren im Herbst gar keine Früchte dran.
Jesus sagt im Evangelium zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: „Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.“ (Mt 21,43)
Was alles nötig ist, bis ein Baum Früchte trägt: gepflanzt werden, die Blüte, Regen und Sonne und nicht zuletzt die Pflege. Und irgendwann ist da – Gott sei Dank – die Frucht.
So ähnlich ist es auch mit unserem Leben.
Wir sehen bei einem Menschen oft nur, wie er heute ist. Aber wir sehen nicht, was in ihm gesät wurde: durch Eltern, durch Menschen, die ihm gutgetan haben, durch Erfahrungen und vielleicht auch durch den Glauben.
Ein wirklich passendes Evangelium für das heutige Erntedankfest.
Seine harschen, aber klaren Worte am Ende fordern auch uns dazu auf: „Bringt die Früchte des Reiches Gottes hervor!“
Erntedank heißt zuerst: Danke, Gott, für das, was du wachsen lässt.
Erntedank stellt und gleichzeitig die Frage: Was wächst bei uns? Was wächst durch uns?
Die Bilder vom Papstbesuch in Frankreich in der vergangenen Woche haben mich beeindruckt: 80.000 Jugendliche im State de France bei einer Gebetsnacht. 800.000 Menschen bei der Messe mitten in Paris. Ist das nicht eine beeindruckende Ernte?
Aber auch hier und viel kleiner:
In der vergangenen Woche durfte ich mit drei 18-jährigen jungen Männern sprechen, die ich vorher nicht kannte und die mir erzählt haben, sie haben sich ganz bewusst entschieden, aus dem Glauben zu leben.
Auch da habe ich gedacht: Das ist Ernte!
Nicht Ernte im Korb sondern Ernte im Leben eines Menschen.
Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Phillipi: „Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!Und was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut!“ (Phil 4,8f)
Das sind Früchte des Reiches Gottes: Wahrheit, Güte, Versöhnung, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft und Vertrauen.
Also keine großen religiösen Leistungen, sondern Dinge, die unser tägliches Leben verändern.
An diesem Wochenende feiern wir den 800. Todestag des heiligen Franziskus.
Auch sein Leben hat solche Früchte hervorgebracht. Es ist zu einer Ernte geworden. Er hat das Evangelium nicht nur gehört und darüber gesprochen. Er hat es gelebt. Und bis heute trägt dieses Leben Frucht.
Heute an Erntedank geht es um zwei Dinge:
Erntedank heißt zuerst: Danke, Gott, für das, was du wachsen lässt. Danke, dass DU uns schenkst, was wir zum Leben brauchen.
Aber Erntedank stellt uns auch eine Frage: Was wächst durch mich? Was ist durch meinen Glauben und durch mein Leben, mein Reden und Tun in diesem Jahr gewachsen?
Mehr Vertrauen? Mehr Dankbarkeit? Mehr Frieden? Mehr Liebe?
Und wenn wir merken: Da könnte noch mehr wachsen dann ist das kein Grund zur Entmutigung.
Der Bauer kann säen und pflegen.
Wachsen lässt Gott.
Aber wir können ihm unseren Boden zur Verfügung stellen.
Gottes Wort ist der Same. Unser Leben ist der Acker. Und die Frucht ist das Gute, das auch durch uns in die Welt kommt.
Dafür danken wir heute.
Und darum bitten wir: Herr, lass deinen Samen in uns aufgehen und auch durch uns Frucht bringen.
