Wenn Gott das so machen sollte, dann ist er voll ungerecht! – Predigt am 4. Sonntag in der Fastenzeit zum Gleichnis vom barmherzigen Vater und seinen beiden Söhnen

„Das ist doch eine Sauerei!“ So sagten die Landwirtschaftsschüler, die ich damals als Jugendpfarrer in Religion unterrichtete, als wir dieses Gleichnis besprochen haben.
„Das ist doch eine Sauerei!“, dass dieser Nichtsnutz besser behandelt wird als der, der brav seine Arbeit gemacht hat und sich nichts hat zu Schulden kommen lassen.
„Und wenn Gott das so machen sollte, dann ist er voll ungerecht!“
Haben die Schüler nicht recht?
Menschen, die genau so gedacht haben, erzählt Jesus dieses Gleichnis: Den Pharisäern und den Schriftgelehrten, Leuten also, die sich zeitlebens darum bemüht haben, sich richtig zu verhalten. Leuten, die keine Hallodris sind, die alles richtig gemacht haben.
Auch wir haben doch alles richtig gemacht: „Ich habe keinen Umgebracht, ich bin doch keine Verbrecher, deshalb brauche auch nicht zum Beichten gehen!“ so sagen mir immer wieder Leute. Und – haben die nicht recht? Sie sind ja wirklich keine Verbrecher.
Heißt das aber auch, dass sie keine Umkehr nötig haben? Dass es ihnen nicht auch gut täte,  sich mit ihrem Himmlischen Vater wieder zu versöhnen? Denn darum geht es eigentlich in diesem Evangelium.
Darum geht es Jesus, darum geht es Gott: Dass jeder Mensch, jeder von uns Kind Gottes ist. Unabhängig davon, was er getan oder nicht getan hat.
Schauen wir uns das Gleichnis noch einmal genauer an: Es beginnt mit den Worten „Ein Mann hatte zwei Söhne.“ Beide sind sie Kinder des selben Vaters. Und diese Beziehung zum Vater hängt nicht ab vom Tun und Lassen des Kindes.
Was sind das für Eltern, die ihre Liebe zu ihren Kindern, ihre Zuneigung, nach der Leistung der Kinder verteilen? Ich habe als Schulseelsorger einen Jungen kennen gelernt, der zu Weihnachten nichts von den Eltern geschenkt bekam, weil er in der Schule nicht die gewünschten Leistungen brachte. Sein Bruder, der gute Leistungen brachte, wurde großzügig beschenkt.
Die Beziehung zu Gott unserem Vater hängt nicht von unserer Vorleistung ab. Denn Er liebt jedes seiner Kinder unendlich. Keinen mehr oder weniger.
Das ist das erste, was Jesus seinen Zuhörern, was Jesus uns mit diesem Gleichnis sagen will. Die Beziehung, die Gott mit Dir hat, ist keine Leistungsprämie, sondern ein Geschenk, das ER jedem seiner Kinder macht.
Eine zweite Botschaft steckt für mich in der Gestalt des jüngeren Sohnes:
Wie verlockend wäre es, mal so richtig einen drauf zu machen? Mal abzuhauen, und etwas total verrücktes zu machen? Der Vater hindert ihn nicht.
Und bin ich nicht auch schon – geistlich oder weltlich – ausgebüchst? Auf „Abwege“ geraten?
Habe ich nicht auch schon Dinge gemacht, die ich später bereut habe?
Hand aufs Herz – gibt es nicht auch in Ihrem Leben Dinge, von denen Sie aus heutiger Sicht sagen würden: „Das würde ich nicht mehr machen?“ Und dennoch haben sie sie getan.
Und war es dann nicht wohltuend und befreiend, zu wissen und zu erleben, dass Umkehr möglich ist. Vielleicht sogar ein Neuanfang?
Und wäre es nicht wohltuend und befreiend gewesen zu erleben, dass es keine Schande ist zu sagen: „Da habe ich einen Fehler gemacht?“
Die zweite Botschaft, die für mich in diesem Gleichnis steckt ist die: „Du hast immer die Chance umzukehren!“ und „Gott wartet immer auf Deine Hinwendung zu Ihm!“ Er empfängt dich immer mit offenen Armen, egal wie du kommst. Hab Mut zur Umkehr!
Und noch eine dritte Botschaft steckt in diesem wunderbaren Gleichnis.
Von ihr erzählen das Verhalten und die Worte des Vaters gegenüber seinem älteren Sohn:
Er geht auf den bockigen und beleidigten Jungen zu und sagt zu ihm „Mein Kind, du bist immer bei mir und alles was mein ist, ist auch dein.“
Hab den Mut, die Liebe des Vaters in Anspruch zu nehmen.
Mache Dir bewusst, wie schön es ist, dass Du in Deiner Beziehung mit IHM leben darfst.
Und erinnere Dich immer daran, dass all das, was du täglich zur Verfügung hast, angefangen von dem Tag, den Du erleben darfst, über die Nahrung und Kleidung, bis zu den Menschen die mit Dir leben, von IHM beschenkt bist, weil ER auch Dich unendlich liebt.
Jeder von und, ja jeder Mensch ist ein unendlich geliebtes Kind Gottes.
Ist es wirklich eine Sauerei, dass Gott kein Erbsenzähler ist, sondern uns, jede und jeden, Sie und Sie und Dich und mich unendlich liebt?
Du darfst Fehler machen und hab Mut zur Umkehr.
Und – schau dankbar an, wie reich ER dich jeden Tag beschenkt.

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