Tu was und du wirst leben! – Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis

Die Geschichte, – das Gleichnis vom barmherzigen Samariter – ist uns allen wohlbekannt. Wenn man genau hinschaut, dann steht in dieser Bibelstelle ein Wort, auf das es im christlichen Leben besonders ankommt. Es ist das (griechische) Wort „poiein“ – „tun, handeln“.
Ganz am Anfang, in der Frage des Gesetzeslehrers: „was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ (Lk 10,25). Mittendrinn, wenn Jesus sagt „Handle danach und du wirst leben!“ (Lk 10,28). Und in dem Jesuswort am Ende: „Dann geh und handle du genauso!“ (Lk 10,37). Jedes Mal verwendet der griechische Text hier das Wort „poiein“ – „tun“.

Auf das TUN kommt es an. Es reicht nicht aus, zu reden. Es bringt noch nichts theoretisch zu wissen, was richtig wäre, um eine Situation besser zu machen. Es ist noch zu wenig eine Vorschrift zu erlassen, um etwas zu verändern. Man muss etwas TUN.
Nicht im Sinne von Geschäftigkeit. Aber durch Denken, Reden und Schreiben allein ist niemandem geholfen. Gedanken, Worte und Theorien ändern in der Welt nichts, wenn ihnen nicht ganz konkrete Taten folgen. Und auch bezüglich des Glaubens und mit dem Blick auf das ewige Leben reicht es nicht aus, nur zu wissen was getan werden müsste, was „man“ tun sollte, was im „Gesetz steht“. Ich muss es TUN. Ganz konkret. In der Situation in der ich jetzt bin.
Freilich wäre es meist bequemer und häufig angenehmer, wenn es mir erspart bliebe, mir die Finger schmutzig zu machen, mich anstrengen und meine Kraft aufwenden zu müssen. Aber ohne konkretes TUN geschieht nicht, wird das Leben und auch der Glaube nicht konkret.

Der Gesetzeslehrer, der Jesus die Frage stellt „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ (Lk 10,25) hat das wahrscheinlich schon verstanden. Und das Gesetz, die Thora, die Heilige Schrift, beantwortet ja die Frage eindeutig: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Lk 10,27) Aber offensichtlich ist das noch zu wenig konkret. 

„Und wer ist mein Nächster?“ (Lk 10,29b)
Mein Nächster, das bist jetzt gerade Du, das sind jetzt gerade Sie. Ihr „Nächster“ sitzt jetzt gerade neben Ihnen, vor oder hinter Ihnen. Mein „Nächster“ ist nicht zuerst der Mensch, mit dem ich mich verbunden fühle, an den ich denke, oder der mit mir dieselben Vorstellungen teilt, sondern ganz konkret der Mensch, der mir im gegenwärtigen Augenblick begegnet. Und auch ich bin dem Menschen, der mir auf meinem Weg jetzt gerade in die Quere kommt, der „Nächste“.
Bei der „Nächstenliebe“ geht es nicht um Emotion, Ästhetik oder Angezogensein. Es geht um den Menschen, der mir gerade begegnet. Den kann ich mir nicht aussuchen. Der ist einfach da und es passiert durchaus, dass er mir auch gerade im Weg ist, im Moment nicht in mein Konzept passt, oder meine Pläne und Vorstellungen durchkreuzt.
Der Priester und der Levit, von denen Jesus in seinem Beispiel erzählt, stehen für die Menschen, die mit ihren eigenen Gedanken und Sorgen beschäftigt sind, in ihrer eigenen Welt leben und lieber einen großen Bogen um den machen, der ihnen gerade im Weg ist. Ausgerechnet der Samariter, der mit der falschen Religion dagegen, scheint ganz präsent, aufmerksam und sensibel zu sein. Er scheint verstanden zu haben, wem er der Nächste und wer ihm der Nächste ist. Und er handelt.

„Geh und handle DU genauso!“ (vgl. Lk 10,37)
„Handle DU danach und DU wirst leben!“ (vgl. Lk 10,28)

1 thought on “Tu was und du wirst leben! – Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis

  1. Johann Schweiger

    Lieber Martin,
    danke für die Gedanken! Ohne Tun des Guten bleiben wir Christen unglaubwürdig. Um nicht in eine ständige Selbstüberforderung zu geraten, möchte ich auf einen Satz von Dr. Wilhelm Schäffer hinweisen, der vor Jahren geschrieben hat: „Gott ist nicht einer, der uns ständig überfordert.“ Und die Unterscheidung zwischen „gut“ und „richtig“ kann hilfreich sein. Das Richtige tun ist das Gute, das ich über mein Gewissen und im Hören auf Gottes Stimme in mir oder auch unter uns erkenne. Nochmals ganz herzlichen Dank und einen gesegneten Sonntag. Hans

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