„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29) – Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis

„Mit welchem Auftrag hat man Sie denn hier her geschickt?“
Das hat mich jemand gefragt, einige Monate, nachdem ich Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Ottmaring geworden bin.

Hintergrund der Frage waren Veränderungen, die ich als Pfarrer vorgenommen habe, oder die sich durch meine Art den Dienst des Pfarrers hier auszuüben, ergeben haben.

„Mit welchem Auftrag hat man Sie denn hier her geschickt?“
„Der Bischof hat mich hier her geschickt, um die Pfarreiengemeinschaft Ottmaring zu leiten!“ war meine Antwort. Die stimmt nach wie vor.

Aber mit dem Evangelium dieses Sonntags im Ohr möchte ich die Antwort noch etwas zuspitzen: „Ich wurde von Gott hier her geschickt, um den Menschen in unseren Dörfern Christus zu zeigen.

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29) So sagt Johannes der Täufer mit Blick auf Jesus Christus.

Mit fällt bei diesem Wort des Johannes das berühmte Bild von Matthias Grünewald im Isenheimer Altar ein: Mit einem überdimensional großen Zeigefinger deutet der Täufer Johannes auf den gekreuzigten Christus. Seine Worte sind neben ihm auf das Bild geschrieben:
 „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29)

Das sind einige von den Worten, die ich jedes Mal bei der Feier der Heiligen Messe sprechen darf, wenn ich den Gläubigen Christus in der Gestalt der Eucharistie zeige.

Auf Christus zu zeigen ist meine Aufgabe als Priester.
Die Menschen mit Christus bekannt zu machen, Sie mit IHM zusammen zu bringen, das ist der Auftrag, mit dem mich Gott hier her geschickt hat.

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29)

Auf Christus zu zeigen, das ist aber nicht nur meine Aufgabe als Pfarrer. Es ist nicht nur die Aufgabe der Priester, sondern die Aufgabe aller Getauften.

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29)

Dieser Auftrag kann nicht ohne Folgen für die Hörer bleiben, wenn sie sich von diesem Wort treffen lassen. Denn wer mit Christus in Berührung gekommen ist, wer Christus in sein Leben einlässt, der kann nicht einfach so weiter leben, wie bisher.

Das zumindest ist die Erkenntnis, wenn man die Menschen anschaut, die Johannes dem Täufer zugehört haben: Viele Menschen, die zu ihm an den Jordan hinausgezogen waren, sind umgekehrt, haben ihre Sünden bekannt. Haben erkannt und zugegeben, dass die Art, wie sie bisher gelebt haben, nicht so weiter gehen kann. Haben ihr Leben neu auf Gott und seine Gebote ausgerichtet. Sie haben sich nicht nur mit Wasser taufen lassen, sondern haben ihr Leben geändert und sind selber Christus nachgefolgt. Einige sind sogar selber Jünger Jesu geworden.

Vermutlich waren da aber auch welche, die nur gekommen waren, um den eigenartigen Täufertypen mit seinem Kamelhaarmantel zu sehen, um ihrer Neugier zu stillen, oder sogar um sich über Johannes aufzuregen. Auch solche Leute wird es immer geben. An denen prallt die Botschaft ab, aus welchem Grund auch immer.

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29)
Das ist eine Botschaft, an der sich die Geister scheiden.

Das Wort des Johannes „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29) fordert meine und Ihre Entscheidung heraus. Die Entscheidung, dem Geist Gottes zu folgen, oder meinem eigenen Vogel, meinen eigenen Vorstellungen und dem was die „Welt“ mir als erstrebenswert vorgaukelt.

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29) ruft zur Entscheidung dafür, mit Jesus Christus zu leben.
Wer das erkannt hat, und mit Christus leben will, der kann sich nicht bequem zurücklehnen. Die Entscheidung für Jesus Christus hat Folgen. Die mögen beim ersten Hinsehen unbequem sein, doch wenn Menschen sie leben, werden wird sich die Welt verändern, wird sich die Welt zum Besseren verändern.

Wenn WIR Jesus Christus folgen, dann hat das Folgen:
Dann wird Macht und Besitz nicht die erste Rolle spielen.
Dann werden Egoismus und Intoleranz ihre Macht verlieren.
Dann wird das Argument „das war immer schon so“ als todbringend entlarvt.

Wenn WIR Jesus Christus folgen, dann hat das positive Folgen:
Dann werden Güte und Liebe die Herrschaft übernehmen.
Dann werden Respekt und Wohlwollen spürbar.
Dann wird die Freiheit des Einzelnen ebenso geachtet, wie das Wohl der Gemeinschaft.

Wenn SIE und ICH Jesus Christus folgen, dann wird das nicht nur unseren Blick, sondern unser Herz und unsere Hände von uns selber weg, auf Gott und die anderen Menschen hin lenken.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn wir nachher die Worte des Johannes hören: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 1,29), und wir darauf antworten: „Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“, dann soll das nicht so sehr ein Bekenntnis zu unserer eigenen Unzulänglichkeit sein.

Vielmehr können wir in diese Worte die Entscheidung hineinlegen:
Jesus Christus, ich möchte mit Dir leben.
Ich möchte Dich in alle Bereiche meines Lebens einlassen.
Jesus ich möchte immer mehr mein Leben nach dem ausrichten, was Du gesagt hast.
Jesus Christus, Du bist der Sohn Gottes (vgl. Joh 1,34)

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