Predigt zum Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag

Vor einem Jahr waren hier zum ersten Mal aus der ganzen Pfarreiengemeinschaft zum Gründonnerstagsgottesdienst zusammen.
Heute sind wir wieder hier und wieder hören wir die Texte vom Paschamahl, von der Einsetzung der Eucharistie und von der Fußwaschung beim letzten Abendmahl.

Wir hören, wie Gott sein Volk durch die Einsetzung des Paschamahles auf die Befreiung aus der Sklaverei vorbereitet.

Ein Weg in ein ihm unbekanntes Land beginnt mit diesem Abend für das Volk Israel.
Aber – es ist ein Weg, auf dem Gott mitgehen wird, ja, Gott geht mit, sogar da, wo sein Volk auf Abwege gerät.
Und wie mit dem Volk Israel, geht Gott auch mit seinem neuen Volk, mit der Kirche, auch mit uns hier in der Pfarreiengemeinschaft Ottmaring.
ER geht mit.

Wie das Volk Israel sehen auch wir nicht genau wie es weitergehen wird, aber wie das Volk Israel, glauben auch wir, dass Gott mit uns geht.
Das durften wir auch in dem zurückliegenden Jahr erleben.
ER geht mit.

Es geht um das „GEHEN“.

„GEHEN“ wir?

„Stehen bleiben“ wäre das Gegenteil.
„Stehen bleiben“ würde nicht weiterführen.

Dass die Kirche auf dem Weg ist, das gilt schon immer.

„Gehen“ ist mit Anstrengung verbunden und mit hinter sich lassen, mit Abschied, aber auch mit Neuem, das im Laufe des Weges und vor allem am Ziel auf den „Geher“ wartet.
Daran erinnert mich die erste die Lesung, die uns von der Einsetzung des Paschamahles berichtet hat.

Die zweite Lesung ruft uns die Einsetzung der Eucharistie in Erinnerung:
„Tut dies, … zu meinem Gedächtnis!“ (1 Kor 11,25) So die Anweisung Jesu.

Wohl um die tausend Mal haben wir seit dem letzten Gründonnerstag diese Anweisung Jesu in unserer Pfarreiengemeinschaft befolgt. Wir haben viele Messen gefeiert. Unzählige Male wurde Menschen die Eucharistie gereicht, begegneten sie Jesus Christus in dieser einzigartigen Weise.

Mit dieser Speise will uns Gott nähren.
Er will uns auf unserem Weg stärken.
Er tut das nicht mit einem üppigen Mahl nach unseren Maßstäben.
Er tut es aber mit der nachhaltigsten Speise, die es gibt.
Er schenkt sich uns selber.

Und er nährt uns nicht, damit wir nicht vom Fleisch fallen, sondern damit wir IHM immer ähnlicher werden.

Mit dem Brot, das der Leib Christi wurde und mit dem Wein, der in das Blut Christi gewandelt ist, will er uns WANDELN.
Jeder und jede von uns und wir alle zusammen sollen LEIB CHRISTI werden.
In unseren Adern soll CHRISTI Blut fließen.

SO baut Gott seine Kirche auf.
Gott will seine Kirche aufbauen aus lebendigen Steinen.
Gott will den Leib Christi aufbauen.
Und wir alle sollen daran Teil haben.

Ich frage mich immer wieder, ob das deutlich wird, wenn wir in unseren Gemeinden die Heilige Messe feiern: Dass der LEIB CHRISTI aufgebaut werden soll.
Und ich frage mich immer wieder: Wollen WIR uns in SEINEN Leib verwandeln lassen?

Diese Wandlung ist nicht Selbstzweck.
Diese Wandlung ist nicht dazu da, unser Bedürfnis nach Religiosität zu befriedigen.
Diese Wandlung soll weiter geführt werden nach der Messe, indem wir durch unser Leben als Christen und durch unseren Dienst an den Brüdern und Schwestern Gott dabei helfen, die ganze Welt zu verwandeln.

Und damit, Liebe Schwestern und Brüder, sind wir beim dritten biblischen Text, der uns heute vorgelegt wird: Der Fußwaschung.

Jesus gibt einen eindeutigen Befehl: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,14f)

Beim Abendmahl braucht es dieses Zeichen.
Damit wir nicht nur essen und uns, wie nach einem üppigen Mittagessen zurücklehnen oder gar schläfrig werden.
Wie wir einander die Füße waschen, daran können wir die Fruchtbarkeit der Messfeier ablesen. Ja, ich möchte sagen, dass die Feier der Heiligen Messe erst fruchtbar wird, wenn aus ihr ein Dienst für die Anderen wird. Wenn wir nicht bereit sind, dem Beispiel Jesu zu folgen und einander die Füße zu waschen, einander also wirklich dienen, dann ist die Feier der Heiligen Messe ein leerer Kult, ein hohles Getue, das dem widerspricht, wozu Jesus seine Jünger im Abendmahlssaal aufgerufen hat.

Ich freue mich, dass wir in diesem Gottesdienst wieder das Zeichen der Fußwaschung setzen dürfen.

Ich freue mich, dass im vergangenen Jahr viele Menschen in unseren Gemeinden „Füße gewaschen“ haben.
Denn: was ist es anderes als Fußwaschung, wenn Frauen, Männer und Jugendliche andere junge Christen auf die Sakramente vorbereiten?
Ist es nicht Fußwaschung, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst mehr tun, als nur einen Arbeitsvertrag erfüllen, sondern mit ihrem Tun Kirche erfahrbar machen?
Was ist es anderes als Fußwaschung, wenn ehrenamtliche, angefangen von Ministranten über Lektoren, Kommunionhelfer, Musiker und Mitarbeiterinnen in Kindergottesdienstteams bis hin zu Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen Kirche in ihrer Vielfalt prägen und mitgestalten?

Dafür möchte ich die Gelegenheit zu einem von Herzen gesprochenen „Vergelt’s Gott“ nutzen all denen, die „Füße gewaschen“ haben.

Jesus hat es uns vorgemacht.
Und er gibt jedem und jeder hier mit:
„Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,14f)

Liebe Schwestern und Brüder!
Wie das Volk Israel in Ägypten stehen wir am Anfang eines Weges in ein unbekanntes Land.
Wollen wir den Weg „Gehen“?

Wir haben in unserer Pfarreiengemeinschaft viele Gottesdienste und Traditionen und wir haben tausend Mal die Messe gefeiert.
Auch uns will Gott verwandeln und er wartet darauf, dass wir uns verwandeln lassen.

Wenn wir die Messe feiern und dabei nicht zur gegenseitigen „Fußwaschung“ weitergehen, dann ist das nutzlos.

Folgen wir dem Auftrag Jesu!

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