Predigt zu Allerheiligen

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Credo gleich nach dem Evangelium – Nach der Predigt keine Fürbitten

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben.

So haben wir gerade gebetet. Und deshalb sind wir auch hier.
Heute besonders wegen unseres Glaubens an die Gemeinschaft der Heiligen, an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben.

Eigentlich sind diese drei Glaubensinhalte nicht voneinander zu trennen, und das Allerheiligenfest – so wie wir es feiern -, bringt diese Verbindung besonders deutlich zum Ausdruck.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.
Bereits im Alten Testament fordert Gott die Gemeinde der Israeliten auf: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.“ (Lev 19,2) Dabei spielt im Alten Testament der Gedanke der kultischen Reinheit eine wichtige Rolle. Durch reinigende Rituale und durch ein Leben nach den Weisungen des biblischen Gesetzes können die Israeliten zu dieser Heiligkeit gelangen.

Mit Christus – so unser christlicher Glaube – sind allerdings diese vom Gesetz verlangten Reinheitsvorstellungen überholt.
Wir sind heil geworden, durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, der uns in seinem Leben und Sterben und in seiner Auferstehung die Liebe Gottes gezeigt und uns erlöst hat.
Über uns sagte er: „Ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.“ (Joh 17,19)
Weil uns Christus geheiligt hat, kann Paulus den Christen in Korinth sagen: „wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.“ (1Kor 3,16f)

Natürlich ist es dabei nicht egal, wie wir Christen leben.
Es ist nicht gleichgültig, wie sich die Menschen in der Kirche benehmen.
Deshalb schreibt Paulus im Epheserbrief: Gott will „die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.“ (Eph 5,27)
Und er adressiert seinen zweiten Korintherbrief „an die Kirche Gottes, die in Korinth ist, und an alle Heiligen in ganz Achaia.“ (2Kor 1,1)

Wir stell uns Heilige häufig vor wie diese Figuren aus Holz oder Gips. Mit verklärtem Blick und gefalteten Händen. Doch das ist ein sehr verzerrtes Bild. Ein solcher komischer Heiliger will ich nicht sein.
Heilige sind ganz normale Menschen.
Heilige sind Menschen wie Du und ich, mit Schwächen und Stärken, aber Menschen, die ihren Weg vollendet und das Ziel ihres Lebens – das Leben bei Gott – schon erreicht haben.

Seit Anfang an versteht sich die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen.
Als Gemeinschaft nicht nur der jetzt Lebenden, sondern sie weiß sich auch verbunden mit den Christen, die schon vor uns gelebt haben.
Für uns sind die Toten nicht einfach gestorben und weg! Sie leben, aber sie sind schon durch die Tür gegangen vor der wir alle noch stehen und durch die wir alle noch hindurchgehen werden.

Deshalb haben wir ja auch gebetet: Ich glaube an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben

Wenn sie das wirklich glauben, dann gehören Sie zu den 30 % der Deutschen, die an daran glauben.[1]

Übrigens glaubt die Hälfte, dass mit dem Tod hier alles aus ist.[2] 18% glauben an Wiedergeburt
und 20% daran,  dass ihre Seele nach dem Tod durch die Welt irrt[3]

Ich glaube an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben.

Beweisen kann ich es nicht, aber ich glaube daran.
Ich glaube daran, weil mir die Botschaft des Evangeliums, das Zeugnis der Apostel über die Auferstehung Jesu und über die Auferstehung die mich erwartet eine Perspektive für dieses Leben und darüber hinaus gibt.
Wenn mit dem Tod hier alles zu Ende wäre, wie arm wären wir dran?
Wenn meine Seele nach dem Tod ziellos umhergeistern würde, wie könnte ich da meinen, dass ich wirklich liebenswert oder gar geliebt wäre?
Wenn ich nur die Wiedergeburt eines Wesens wäre das vorher schon wer weiß wie oft gelebt hat, wie könnte ich da meinen, dass ich oder der Andere Mensch einzigartig und unverwechselbar wäre?

Der Glaube an das Leben nach dem Tod lässt mich vor dem Tod anders leben.
Ich brauche keine Angst zu haben, etwas zu verpassen.
Ich darf wissen, dass es noch etwas größeres gibt als die Sorgen, Nöte und Alltäglichkeiten dieses Lebens.

Ich glaube an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben.

Das haben die Christen von Anfang an getan und dementsprechend gelebt.

Ich glaube an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben.

Das haben die Christen von Anfang an verstanden und sind dementsprechend gestorben.

Und weil sie das nicht nur von sich, sondern von allen Menschen glaubten, sind sie auch mit den Verstorbenen entsprechend umgegangen.
Das Grab ist nicht die ewige Ruhestätte eines Christen.
Vielmehr ist er dort nur abgelegt und wartet dort auf die Auferstehung.
Sehr schön können wir das bei den Bestattungsriten der frühen Christen sehen.
Sie verbrennen ihre Toten nicht (wie es bei den heidnischen Römern üblich war).
Die frühen Christen betten ihre Toten in Grabanlagen wie den Katakomben.
Manche wurden in Sarkophagen beigesetzt auf denen sich immer wieder auch die drei Buchstaben D E P finden „depositus“ – „abgelegt“ wurde der Verstorbene, um für die Auferstehung bereit zu sein.

Die Toten sind nicht tot, sondern leben.
Deshalb verbinden wir uns mit ihnen, gehen an ihre Gräber und beten für sie.

Der Tag des Todes ist für den Christen nicht der Tag der letzten Katastrophe sondern sein Geburtstag für das ewige Leben. Deshalb feiert die Kirche bei den meisten Heiligen den Gedenktag an dessen Todestag.
Die frühen Christen feierten am Grab der Verstorbenen, an dessen Todestag oder an anderen Gedenktagen regelrechte Feste die sogenannten „refrigerien“ – „Totenmähler“ bei denen man sogar die Verstorbenen an den Speisen und Getränken teilhaben ließ.

Wenn Sie einmal die Gelegenheit haben die antike Begräbnisanlage unter dem Petersdom zu besichtigen, dann können Sie das dort sehr schön sehen.

Wenn wir heute die Gräber unserer lieben Verstorbenen besuchen, dann stehen wir genau in dieser christlichen Tradition.
Wir wissen uns mit ihnen verbunden.
Wir betrauern, dass wir sie nicht mehr hier unter uns haben und freuen uns mit ihnen, dass sie schon zur Vollendung gelangt sind.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wir glauben an die Gemeinschaft der Heiligen, an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben.

Wegen dieses Glaubens sind wir hier und feiern heute Allerheiligen.

[1] Quelle: http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Religionszugehoerigkeit/Woran_glauben_die_Deutschen.pdf

[2] Quelle: http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Tod_und_Bestattungen/Was_kommt_nach_dem_Tod.pdf

[3] Quelle: http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Religionszugehoerigkeit/Woran_glauben_die_Deutschen.pdf

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