Geht alles den Bach runter? – Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis

Was für ein Text, den uns die Kirche da heute vorlegt!

Man könnte den Eindruck haben, dass der Evangelist Lukas das für unsere Tage geschrieben hat:
Kriege und Hungersnöte, Erdbeben und Seuchen, Christenverfolgung und viele andere schreckliche Dinge werden da als Anzeichen für die Endzeit genannt.
Es wird alles den Bach runter gehen!

Täglich lesen wir in der Zeitung und hören in den Nachrichten von solchen schrecklichen Dingen
aus allen Teilen der Welt. Wie soll das noch weitergehen?

Mich widert es manchmal richtig an und ich mag gar nicht mehr hineinschauen in die Nachrichten. Zumal die immer mehr Raum bekommen, von denen Jesus in seiner Rede ebenfalls spricht:
Die, die vorgeben, die perfekten Lösungen zu haben und die, die das Volk mit Parolen und einfachen Antworten bedienen.
Über diese Leute sagt Jesus klar und deutlich: „Lauft ihnen nicht nach!“ (Lk 21,8c)

Jesus prophezeit seinen Zuhörern keine rosige Zukunft.
Mit solchen Zukunftsvisionen, würde kein Politiker eine Wahl gewinnen.

Doch seit der Zeit, in der Jesus diese Worte gesprochen hat, bis heute, sind diese Katastrophen
Teil der Wirklichkeit dieser Welt. Zu manchen Zeiten wurden die Menschen von solchen Katastrophen verschont. Und zu anderen Zeiten trafen so schreckliche Dinge viele.
Haben nicht der 30-jährige Krieg, die Pest im Mittelalter, nicht zuletzt die beiden Weltkriege und die Diktaturen der Nazis und der Kommunisten verheerendes angerichtet?
Ist es nicht entsetzlich, wie Menschen von Unwettern und Erdbeben heimgesucht werden?

Gelegentlich werden auch wir von solchen Katastrophen getroffen, doch meist trifft es andere Teile der Welt. Wir in Deutschland und Mitteleuropa sind in einer weit glücklicheren Lage als die Menschen in anderen Regionen dieser Erde. Ist es nicht ein Geschenk, dass wir hier in West-Europa seit mehr als 60 Jahren in Frieden leben können?
Wie entsetzlich waren die Kriege, die unseren Kontinent in der Vergangenheit schon überzogen haben und wie unbeschreiblich sind die Kriege, die im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika
und anderen Teilen der Welt heute toben?
Wie glücklich können wir uns schätzen, dass wir hier in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand leben können, was den allermeisten Menschen verwehrt ist?
Und dennoch scheinen die, die über den Untergang des Abendlandes unken, immer mehr Gehör zu bekommen.
Ja sogar im Namen des Christentums treten Leute auf, die nicht davor zurückschrecken, eindeutig unchristliche Methoden als Lösungen für die Probleme der Gegenwart zu propagieren. Und die sogar dementsprechend handeln.

Man könnte angesichts dieser Situation in ein Klagen und schimpfen geraten, aus dem heraus der Blick nach vorne völlig verloren geht.

Doch welchen Rat entnehmen wir denn dem Evangelium, um angemessen mit den unbestreitbaren Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft angemessen umzugehen?Was sollen wir denn tun, damit uns die Probleme und Sorgen nicht ganz und gar gefangen nehmen?
Wie können denn die Lösungen oder wenigstens die Lösungswege aussehen, die für uns Christen angemessen sind? Was wäre denn klug und christlich?

Der Tenor der Worte Jesu ist: Ruhe bewahren.
„In Krisenzeiten ist der Rat, sich nicht vom Weg abbringen zu lassen, nicht mit Schrecken und Panik zu reagieren, sondern standhaft zu bleiben, auch psychologisch in höchstem Maße klug.“[1]

„Lasst euch … nicht erschrecken“ (Lk 21,9)

„Aber eine Weisung geht über diese allgemein menschlichen Verhaltensweisen hinaus: Jesus rät dazu, sich im Falle von Anklagen vor Gericht ganz auf ihn zu verlassen und auf eine eigene,
vorbereitete Verteidigungsrede zu verzichten. Eine mutige Entscheidung, die grenzenloses Vertrauen in Jesus und sein Mit-Sein in Notsituationen voraussetzt! Haben wir das?“[2]

Und ein weiterer wichtiger Gedanke wird in dem was Jesus sagt deutlich:
Es gibt über das diesseitige Leben und das, was hier auf der Welt geschieht hinaus,noch eine Wirklichkeit, die wir allzu oft zu vergessen scheinen: Das Jenseits.
Für uns Christen wäre es fatal und gefährlich, wenn wir uns im Diesseits einnisten und vergessen, dass wir auf ein Leben nach dem Tod zugehen. „Es gibt da noch mehr.
Das eigentliche Leben von Christen beginnt erst noch…“[3] Im Jenseits.

Die Zuhörer fragen Jesus nach Zeichen und einem Zeitpunkt. Die Zeichen der Zeit zu erkennen
und sie richtig zu deuten. Das wäre eine wichtige Aufgabe für uns Christen. (vgl. Lk 12,56) Und dann natürlich die Herausforderungen die sich zeigen anzunehmen, sich von seinem Sessel zu erheben und im richtigen Moment aktiv zu werden und nicht abzuwarten bis es zu spät ist.

Und schließlich noch ein letzter Gedanke, der sich in diesem Text aufdrängt und der mir zu Denken gibt: Es ist der Gedanke an die Situation der Verfolgung.Gott sei Dank brauchen wir hier in unserem Land nicht befürchten, wegen unseres Glaubens verfolgt zu werden.
Aber gibt es nicht viele alltägliche Situationen, in denen auch von uns Zeugnis für unseren Glauben und unsere Christliche Überzeugung gefragt ist?
Auch in unserer Gesellschaft, auch im „Christlichen Abendland“ braucht es Mut hin zu stehen und sich zu Christus zu bekennen. Auch hier und heute sind Zeugen des Glaubens gesucht!

Liebe Schwestern und Brüder!
Welchen Rat entnehmen wir dem Evangelium, angesichts der Herausforderungen unserer Zeit?

Ich sehe mehrere:

  • „Lasst euch … nicht erschrecken“ (Lk 21,9)
  • Vertrauen wir wirklich auf Jesus ?! (Fragezeichen und Ausrufezeichen)
  • Es gibt über das Diesseits hinaus auch ein Jenseits!
  • Erkennt die Zeichen der Zeit und werdet im rechten Moment aktiv.
  • Schließlich sind auch hier und heute echte Zeugen gesucht!

[1] Quelle: http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/33_iJ_C_Lk21_5-19_Kowalski.pdf

[2] ebd.

[3] ebd.

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