Mit Leib und Seele in den Himmel – Predigt zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Schon seit dem fünften Jahrhundert ist das Fest der leiblichen Himmelfahrt Mariens überliefert.

Erst am 1. November 1950 verkündete Papst Pius XII. den Glaubenssatz, „dass die immerwährende Jungfrau Maria, die makellose Gottesgebärerin, als sie den Lauf des irdischen Lebens vollendete, mit Leib und Seele zur himmlischen Glorie
aufgenommen wurde.“

Vielleicht wird der eine oder die andere sich fragen, was dieser Glaubenssatz mit ihrem und meinem Leben zu tun hat.

Die Heilige Schrift berichtet uns nichts über eine Aufnahme Marias in den Himmel.
Über das Leben Mariens nach der Himmelfahrt Jesu – und damit auch über ihren Tod – kennt die Tradition der Kirche zwei unterschiedliche Versionen:
Die eine erzählt, dass Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, Maria mit nach Ephesus genommen habe und sie dort auch gestorben sei.
Die andere geht davon aus, dass Maria in Jerusalem, unweit des Abendmahlssaals, dort wo heute die Benediktinerabtei „Dormitio“ (Entschlafung Mariens) steht, gestorben und dann im Kidrontal neben dem Garten Getsemani
begraben wurde.
Wie auch immer – sicher ist, dass Maria gestorben ist.

Doch was bedeutet das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel für uns?
Was kann es für Sie und für mich und für unseren praktischen Glauben bedeuten?
Natürlich können wir sie bewundern, zu ihr aufschauen – gewissermaßen ihr nach in den Himmel.

Liebe Schwestern und Brüder, ich muss zugeben, dass ich mich mit Glaubenssätzen schwertue, wenn sie mir nur Grund zum Staunen geben.
Noch dazu, wenn etwas bestaunt und beschrieben wird, das für mich selbst unerreichbar und von meinem täglichen und alltäglichen Leben weit entrückt erscheint. Wenn ich dabei gewissermaßen außen vor bleibe.

Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.
Sie ist, nach ihrem irdischen Leben, ganz bei Gott.

Um zu verstehen, was das für mich bedeutet, hilft mir zuerst das Wort Jesu im Evangelium: Nachdem eine Frau aus der Volksmenge ihm zurief „selig der Schoß, der dich getragen, und die Brust, die dich gestillt hat!“ (Lk 11,27b) erwiderte Jesus:
„Ja, selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 11,28)

Maria ist – nach Jesu eigenen Worten – nicht ein unerreichbares Idol, eine, an die wir „normale“ Menschen sowieso nicht herankommen. Sie ist vielmehr die, an der das Wirklichkeit geworden ist, was uns allen verheißen ist: Selig zu werden, in den Himmel zu kommen, auf ewig bei Gott sein zu dürfen.

„Heute“, so werden wir nachher im großen Lobgebet vor der Wandlung beten, hat Gott „die jungfräuliche Gottesmutter in den Himmel erhoben, als Erste empfing sie von Christus die Herrlichkeit, die uns allen verheißen ist, und wurde zum Urbild der Kirche in ihrer ewigen Vollendung. Dem pilgernden Volk ist sie ein untrügliches Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes.“

Die Aufnahme Mariens in den Himmel, erinnert uns daran, dass auch wir dafür leben, nach diesem irdischen Leben ganz bei Gott zu sein.
Mit Leib und Seele.
Nicht nur irgendwie geistigerweise, sondern ganz und gar.

Ganz und gar bei Gott zu sein, das ist das letztliche Ziel unseres Lebens.
Maria hat das schon erreicht.
Wir sind dahin noch unterwegs.

Und wie kommen wir dahin?
„Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 11,28)

Auf Gottes Wort hören.
Auf das was Jesus Dir und Dir und mir sagt, hören.
Und es befolgen.

Maria hat das getan. Gott hatte ihr den Auftrag gegeben, Jesus zur Welt zu bringen. Sie hat ihr JA dazu gesagt und diesen Auftrag erfüllt.

Auch Ihnen und Dir und mir trägt Gott auf, unserer Berufung zu folgen, Jesus in unsere Welt zu bringen, das Reich Gottes aufzubauen, Zeugen seiner Liebe zu sein.
Und wenn wir das nicht nur hören, um es wieder zu vergessen, und bei einem Ohr herein und beim anderen wieder heraus gehen zu lassen, sondern in die Tat umsetzen, dann sind wir auf dem Weg zum Himmel.
Zu nichts weniger als dazu, selber in den Himmel zu kommen, lädt uns das heutige Fest ein.

Beim Schauen auf Maria und wenn wir versuchen, es zu machen wie sie, sind wir auf dem besten Weg dahin.

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