Lasst euch nicht beirren – Predigt am 33. Sonntag im Lesejahr C (Volkstrauertag)

Sie kennen sicher die Bilder vom Tempelberg in Jerusalem. Heute steht dort der Felsendom mit der goldenen Kuppel und die Al Aqsa-Moschee. Zur Zeit Jesu stand dort der Tempel. Der Tempelberg ist ein riesiges Areal, und auch der Tempel selbst muss beeindruckend gewesen sein. Herodes hatte ihn erst vor kurzem erbauen und reich ausstatten lassen. Wer schon einmal dort war, der wird mir bestätigen, wie beeindruckend das Areal bis heute ist.
Um wirklich Eindruck zu machen wurde es ja von Herodes gebaut.

Aber das alles bleibt nicht: „Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt.“ (Lk 21,6) Ja es wird noch schlimmer kommen: Krieg und Not, Krankheit und Verfolgung prophezeit Jesus.

Und wenn wir in die Geschichte schauen, wie oft schon ist das, was Jesus da angekündigt hat, traurige, ja entsetzliche Wirklichkeit geworden?
In allen Jahrhunderten, bis zum heutigen Tag, haben die einen ihren Hochmut, ihren Reichtum und ihre Überheblichkeit auf Kosten anderer zur Schau gestellt, nur um einige Jahre oder Jahrzehnte später selbst Untergang und Katastrophe zu erleben.

Bis heute raffen Katastrophen – ob vom Menschen gemacht oder nicht – unzählige dahin, zerstören Hoffnung und Leben. Ja sogar im nächsten Umfeld erleben wir Streit und Fehden zwischen und innerhalb von Familien.
Eine nicht gerade ermutigende, aber leider realistische Spiegelung der Wirklichkeit in Vergangenheit und Gegenwart.

Und wo liegt da die Hoffnung?
Was können wir tun, um nicht mit in diesen Strudel gerissen zu werden?

Jesus rät: „sich nicht vom Weg abbringen zu lassen, nicht mit Schrecken und Panik zu reagieren, sondern standhaft zu bleiben.“ (Beate Kowalski)
„Ruhe bewahren … ist der Tenor der Worte Jesu.“ (Beate Kowalski)

„Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt!“ (Lk 21,8)
„Lauft ihnen nicht nach!“ (Lk 21,8)
„Ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.“ (Lk 21,15)
„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ (Lk 21,19)

Echtes Vertrauen in Jesus, Gottvertrauen im besten Sinne.
Haben wir das?

Herr schenke uns Christen echtes Gottvertrauen. Jesus, hilf, dass wir Christen wieder neu lernen, Dir zu vertrauen!

„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ (Lk 21,19)
Das ist keine billige Vertröstung auf das Jenseits. Es eröffnet vielmehr eine Perspektive, die über das Diesseits hinaus auf eine bleibende Wirklichkeit schaut, für die sich der Einsatz wirklich lohnt. Es gibt noch mehr! Das bleibende Leben, das uns keiner nehmen kann. Ist uns das heute überhaupt noch bewusst?

Herr lass uns neu und tief verstehen, dass Du uns für das ewige Leben bei Dir geschaffen hast. Dass wir auf dieses wahre Leben zugehen. Und hilf uns so zu leben, dass wir es auch erreichen.

Jesus spricht „mehrfach von „Zeichen“ und dem „Zeitpunkt“, dem „Wann?“. Welche Zeichen der Zeit müssten [uns] Christen heute herausfordern aus dem Tiefschlaf? Wann ist es Zeit, aktiv zu werden? Sicher nicht, wenn es zu spät ist.“ (Beate Kowalski)

Herr wecke uns auf, wenn wir uns haben einschläfern lassen oder satt eingeschlafen sind, damit wir den entscheidenden Moment nicht verpassen.

Mit seiner auf den ersten Blick wenig ermutigenden Rede will und Jesus auffordern 

  • unser Gottvertrauen wieder neu zu beleben,
  • uns wieder neu darüber im klaren zu werden, dass wir nicht nur für das Diesseits sondern für die Ewigkeit geschaffen sind
  • und dass wir den entscheidenden Moment nicht satt verschlafen dürfen.

Gerade heute, wo in unserem ganzen Land an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert wird, scheinen mir diese Gedanken Jesu mehr als zeitgemäß zu sein.

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