Jesus stillt unsern Hunger und unseren Durst – Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis

Wenn man das Stück aus dem Johannes Evangelium hört, dann hat man den Eindruck, dass die Leute und Jesus deutlich aneinander vorbeireden. Sie reden auf zwei verschiedenen Ebenen.

Die Leute waren beeindruckt davon, wie Jesus mit den fünf Broten und den zwei Fischen so viele – nämlich 5000 Männer – hatte satt machen können. Sie hatten gemerkt, dass es reizvoll wäre, einen König zu haben, der uns zu essen gibt, ohne dass wir dafür etwas tun müssen.
Wir hätten ausgesorgt, wenn uns die Regierenden alles zur Verfügung stellen würden, was wir brauchen und wir uns selbst nicht darum mühen müssten.
Wäre es nicht wünschenswert, wenn die Gefahren, die Nöte und die Katastrophen endlich nicht mehr da wären? Wenn das Leben ganz einfach und gefahrlos verlaufen würde?

Angesichts der Katastrophen, die wir gerade erleben, suchen nicht wenige Schuldige zum Beispiel auch bei den Regierenden.

Der Eine oder die Andere fragt sich vielleicht sogar, was wir denn für einen Gott haben, der so etwas zulässt.
Müsste nicht der gute Gott uns vor all dem Schrecklichen bewahren?
Hat man in den Katastrophengebieten vielleicht den falschen Wettersegen gebetet?
Müsste es ein guter Gott nicht so machen, wie es Jesus bei der Brotvermehrung gemacht hat? Jedem das geben, was er braucht? Dafür sorgen, dass alles gerecht verteilt wird? Dass es keine Not mehr gibt?
Das ist die Ebene, auf der die Volksmenge, denkt und argumentiert.

Die Ebene Jesu allerdings ist eine ganz andere:
„Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“ (Joh 6,26)

Die Leute waren vom WUNDER beeindruckt. Jesus aber hatte nicht das WUNDER im Blick, sondern wollte ein ZEICHEN setzten. Für das ZEICHEN ist das WUNDERbare nebensächlich. Das ZEICHEN zeigt etwas, was tiefer liegt als das vordergründig, augenscheinlich Wahrnehmbare. Doch so weit haben die Leute nicht geschaut. Sie hatten das WUNDER erlebt, aber das ZEICHEN nicht verstanden.

Und das Wort Jesu „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird.“ (Joh 6,27) hatte auch nicht wirklich zu ihrem Verstehen beigetragen.
Er hatte auf einer ganz anderen Ebene gesprochen, als das Volk es verstanden hatte.
Es ist das Volk, zu dem der Prophet Jesaia sagt hatte: „Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen. Sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen.“ (Jes 6,9)

Wie mit Blindheit geschlagen fragen die Leute Jesus: „Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?“ (Joh 6,28)
Sie hatten nicht verstanden, dass nicht SIE es sind, die etwas tun müssen, sondern dass ER es ist, der das Entscheidende TUT.
Und ER antwortet ihnen: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ (Joh 6,29)
Und dann, als ob sie nicht erlebt hätten, welches ZEICHEN Jesus mit der Brotvermehrung gewirkt hat, fragen sie auch noch: „Welches ZEICHEN tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben?“ (Joh 6,30)

Das aneinander vorbei-Reden, das miss-Verstehen, kann kaum größer sein.
Das erleben wir häufiger im Johannesevangelium. (Manche Bibelwissenschaftler sprechen hier 
von den „johanneischen Missverständnissen“
.)
Dabei sagt es Jesus doch eigentlich unmissverständlich: Es geht darum, dass wir an DEN glauben, den Gott gesandt hat (vgl. Joh 6,29). Es geht um JESUS, der von sich sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Joh 6,35a). Und der „Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel“ (Joh 6,32c).

Es geht um JESUS. Es geht es darum, dass die Menschen eine Beziehung mit IHM bekommen.
Dafür hat ER das ZEICHEN der Brotvermehrung und all die anderen Zeichen gewirkt.

Wer zu IHM kommt, wird nie mehr „hungern“, und wer an IHN glaubt, wird nie mehr „Durst haben“! (vgl. Joh 6,35b)

Jesus wirbt darum, dass wir eine Beziehung mit IHM eingehen.
Denn, wenn wir mit IHM – mit Christus – leben, wenn wir wirklich „Christen“ sind, dann wird ER unseren „Hunger“ und unseren „Durst“ nach dem stillen, wonach wir uns eigentlich sehnen: nach sinnerfülltem Leben, nach Anerkennung, nach bedingungslosem Geliebt-Sein, nach Angenommen-Sein mit unseren Schwachheiten und Fehlern, nach Kraft dafür, die Herausforderungen unseres konkreten Lebens zu meistern.

DER WEG, um das zu erleben, ist JESUS CHRISTUS.
ER will das in uns bewirken.
ER will und kann uns das schenken.
Was die Menschen dazu tun müssen,was wir dazu tun müssen?

(Bildlich gesprochen:) IHN in die Hand nehmen, IHN in den Mund nehmen, IHN in unser Inneres einlassen, von IHM uns nähren und verwandeln lassen.
Genau das, was wir beim Kommunionempfang tun: Da nehmen wir IHN in die Hand und in den Mund. Da lassen wir IHN in unser Inneres. Da will ER uns nähren und verwandeln.
Und auch wenn wir uns mit IHM in seinem Wort beschäftigen, tun wir nichts anderes.
Und wenn ER unter uns – zwei oder drei oder mehr Christen – gegenwärtig ist, dann will genau das geschehen:

ER stillt unseren „Hunger“ und unseren „Durst“.

Ein Beispiel zum Schluss:
Ein Jugendlicher hat mir kürzlich erzählt, dass er in eine Krise geraten war: Er hatte den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf bekommen, ob Gott ihn angesichts seiner Schwachheiten, Fehler und Sünden überhaupt noch lieben kann.
Mehrere Wochen quälte ihn dieser Gedanke.
Doch dann nahm er die Heilige Schrift zur Hand und schlug sie an mehreren Stellen nacheinander auf. Und jedes Mal traf er auf unmissverständliche Worte, in denen Gott zu ihm sagte, dass ER ihn liebt, dass er SEIN Kind ist, dass ER für ihn da ist, dass ER seinen Durst stillen wird.

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