Ich will dich lieben – Predigt zum 6. Sonntag in der Osterzeit

Wie im Evangelium des vergangenen Sonntags spricht Jesus auch heute wieder von der Liebe (Joh 14,23). Vor einer Woche war die Rede von der Liebe, die die Jünger Jesu zueinander haben sollen. Jesus legt dazu sein neues Gebot vor: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13,34f)

Die griechische Sprache, in der das Neue Testament geschrieben ist, kennt drei Worte, wo die deutsche Sprache nur das Wort „Liebe“ kennt: EROS – für die erotische Liebe zwischen zwei Menschen, die als wichtigen Aspekt auch die Sexualität einschließt. PHILIA – die Freundesliebe, die ebenfalls eine klar emotionale Form der Liebe ist. Und AGAPE – die vom Verstand und der willentlichen Entscheidung geleitet ist, die auf dem Gebot Gottes gründet und sich in Taten zeigt. AGAPE braucht für das Gegenüber keine emotionale Zuneigung. AGAPE zeigt sich im füreinander da sein, füreinander sorgen, einander ertragen, einander helfen, einander verzeihen, miteinander teilen, einander Vertrauen entgegenbringen und in ähnlichem Tun. 

Wenn Jesus von „Liebe“ spricht, verwendet ER fast ausschließlich das griechische Wort AGAPE. So auch heute: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“ (Joh 14,23) Dabei geht es heute aber nicht um die Liebe zu anderen Menschen, sondern um unsere Liebe zu IHM und auch um SEINE – GOTTES Liebe zu uns. Auch hier verwendet Jesus das Wort AGAPE. Jesus zu lieben bedeutet, nach der Bedeutung des Wortes AGAPE also nicht zuerst eine Emotion ihm gegenüber, wie man sie jemandem gegenüber empfindet, dem man zugetan oder in den man verliebt ist. Jesus zu lieben ist zuerst ein willentlicher Akt. Ein Tun, unabhängig von dem Gefühl das ich dabei habe. 

Und was soll ich tun, um IHN zu lieben? SEIN Wort halten. Das griechische Wort „τηρέω“, das die neue Einheitsübersetzung mit „halten“ übersetzt wurde in der alten Einheitsübersetzung mit „festhalten“ wiedergegeben. Es bedeutet auch „bewahren“, „beobachten“, „darauf achten“, „behalten“. Die Liebe zu Jesus zeigt sich darin, was Christen mit dem Wort Jesu tun. Wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen (vgl. Jak 1,23f), sondern schätzt, bewahrt, damit umgeht und danach handelt, es in die Tat umsetzt, der handelt im Sinne Jesu. Der kann von sich sagen, dass er Jesus liebt, dass er – dass sie ein Christ ist.

Zwei Dinge werden dem widerfahren, der Jesus liebt und SEIN Wort hält: Gott der „Vater wird ihn lieben“ und Jesus und der Vater werden „zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen“ (Joh 14,23).

Der „Lohn“ der Liebe zu Jesus, das was ich davon habe, wenn ich SEIN Wort „halte“, wird nicht auf die Ewigkeit oder eine ferne Zukunft hin verschoben. Sondern Gott liebt zurück und nimmt zusammen mit Jesus bei dem Menschen, der Jesus liebt, Wohnung. Der „Effekt“ echter Liebe zu Jesus und des Haltens seines Wortes ist die Gegenwart Gottes bei dem Menschen, der so liebt.

Liebe Schwestern und Brüder!
Dieser Gedanke ermuntert mich wieder neu „Ja“ zu Jesus zu sagen. Mir selbst und IHM zu sagen: „Ich will dich lieben!“. Und ER ermuntert mich wieder neu sein Wort in den Blick zu nehmen. Sein Wort „in die Hand“ zu nehmen. Mir zu überlegen: Welches Wort Jesu möchte ich jetzt/heute leben? Welchen Maßstab Jesu, welchen Lebenstipp, welches Gebot Jesu kann ich jetzt „halten“ in meinen Gedanken, in meinem Tun? Welches Wort Jesu könnten wir heute und in der kommenden Woche „halten“ und so sicherstellen, dass Gott hier bei uns da ist?

„Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“ (Joh 14,23)

Ich lade Sie ein, dass wir als Glaubensbekenntnis miteinander das Lied „Ich will dich lieben meine Stärke“ (GL 358) singen. (Angelus Silesius 1657)

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