„Für wen haltet ihr mich?“ (Mk 8,29) und „Tritt hinter mich!“ (Mk 8,33) – Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis

Zwei Worte im Evangelium dieses Sonntags haben mich berührt.
Das erste:
„Für wen haltet ihr mich?“ (Mk 8,29)

Jesus hatte seine Jünger gefragt „Für wen halten mich die Menschen?“ (Mk 8,27)
Für wen?
Für was für einen Typen?
Gibt es jemanden, mit dem man ihn vergleichen kann?

„Für wen halten die Leute Jesus?“ Für eine historische Gestalt. Für einen Menschen, der ein vorbildliches Leben geführt hat.Für einen von denen, die in der Menschheitsgeschichte in Erinnerung bleiben werden.
Manche Leute mögen über Jesus so denken.
Manche denken vielleicht gar nichts über ihn.
Und manchen mag er vielleicht gleichgültig sein.

„Für wen halten die Leute Jesus?“
Jesus bleibt nicht bei den verschiedenen Antworten stehen.
Er fragt seine Jünger ganz persönlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mk 8,29) Genauer übersetzt sogar: „Wer sagt ihr, dass ich sei?“

Allgemeine Antworten, nicht einmal theologische Antworten, stehen für Jesus nicht an erster Stelle. Für Jesus, steht die persönliche Antwort an erster Stelle. „Wer sagst DU, dass ich bin?
Was ist DEINE, was ist IHRE persönliche Antwort auf die Frage Jesu?
Wer sagst DU, dass Jesus für DICH ist?

Ich glaube, dass die Antwort, die ich auf diese Frage gebe, die Antwort, die Du auf diese Frage gibst, von grundlegender Bedeutung ist.
Es ist eine Frage unseres Denkens.
Und es ist mehr noch eine Frage unserer Beziehung zu Ihm.
Es ist eine Frage unseres Bekenntnisses.
Und es ist definitiv eine Frage unseres christlichen Lebens.
Wer ist Jesus für Sie?

Er hatte von sich selbst gesagt:
„Ich bin das Brot des Lebens …“ (Joh 6,35 & 48)
„Ich bin das Licht der Welt …“ (Joh 8,12)
„Ich bin die Tür …“ (Joh 10,9)
„Ich bin der gute Hirte …“ (Joh 10,11)
„Ich bin die Auferstehung und das Leben …“ (Joh 11,25)
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben …“ (Joh 14,6)
„Ich bin der wahre Weinstock …“ (Joh 15,1)

Brüder und Schwestern,
Wer ist Jesus für Sie?
Jeder muss eine sehr persönliche, seine und ihre eigene Antwort geben.

Petrus sagte: „Du bist der Christus.“ (Mk 8,29)
Das bedeutet nicht nur: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16), wie Petrus in der Parallelstelle bei Matthäus sagt. Bei Petrus scheint hier ein Missverständnis vorzuliegen. Er scheint „Christus“ anders zu verstehen als es Jesus tut.
Für Jesus ist dieses Missverständnis so drastisch, dass er Petrus dafür den Titel „Satan“ verleiht.

Das bringt mich zum zweiten Wort, das mich im Evangelium dieses Sonntags berührt: „Tritt hinter mich.“ (Mk 8,33)

Jesus widerspricht völlig dem, was Petrus denkt und will. Und er ist völlig anderer Meinung als das, was die Leute denken und wollen. Es ganz und gar nicht das, was Gott will.
Nichtsdestotrotz, befiehlt Jesus dem Petrus, „Tritt hinter mich!“ (Mk 8,33)

Jesus schickt Petrus wegen seiner falschen Meinung nicht weg.
Vielmehr ruft er ihn hinter sich.
Es ist eher so, als ob Jesus zu Petrus sagt: „Auch wenn Du anders denkst als ich, komm, folge mir; lern von mir; sieh, wie ich es mache und dann wirst du verstehen, was richtig ist, was dem Willen Gottes entspricht.“

Jesus nimmt Petrus gewissermaßen in die Schule, in der er lernen wird, dass es nicht sein Denken ist, nicht seine Maßstäbe und nicht seine Kategorien.
Petrus wird lernen, dass es in der Nachfolge Jesu nicht darum gehen wird, ein sorgenfreies Leben zu führen und sein Leben zu retten.
Petrus wird lernen und es am Ende selbst erleben, was es für einen Christen bedeutet, sein Leben für Jesus zu geben und sein Leben für das Evangelium zu geben.

Das Wort Jesu „Tritt hinter mich!“ (Mk 8,33) ist für mich eine Ermutigung. Weil ich oft lieber nach meinen Maßstäben leben möchte.
Ich habe meine Ideen, an denen sich die Welt orientieren sollte.
Und ich habe meine Schwächen und Fehler, die manchmal so gar nicht übereinstimmen mit dem, was in den Augen Gottes ideal ist.

Das Wort Jesu „Tritt hinter mich!“ (Mk 8,33) fordert mich wieder auf, mir zu erlauben, mich von Jesus Christus in den Dienst nehmen zu lassen. Immer wieder zu versuchen, nach Gottes Maßstäben zu leben, Gottes Willen zu tun, trotz meiner Schwächen und meiner Fehler.

Schwestern und Brüder!
Zwei Worte aus dem Evangelium dieses Sonntags haben mich berührt:„Für wen haltet ihr mich?“ (Mk 8,29)
und
„Tritt hinter mich!“ (Mk 8,33)

Ich selber halte Jesus für meinen besten und treuesten Freund. Er ist für mich zuverlässiger als jeder Mensch, den ich je erlebt habe. Er ist mir näher, als es mir je ein anderer Mensch sein kann und wird. Er ist in mir und um mich herum.
Und er ruft mich, ihm zu folgen.
Jetzt.
So wie ich gerade bin.
Ohne dass ER mich von außen verändern will.
Er ruft mich mit meinen Stärken und mit meinen Schwächen.

Jesus sagt: „Wer bin ich für DICH?“ (Mk 8,29) und „Tritt hinter mich!“ (Mk 8,33)
Das sagt auch zu DIR.

 

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