Du machst Dir viele Sorgen und Mühen, Maria hat das Gute gewählt – Predigt zum 16. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr C

Das Evangelium mit der Erzählung von Maria und Martha ist der Aufreger für viele Hausfrauen und Mütter. Hören sie doch daraus, dass Jesus die Martha, die mit der Bewirtung ihrer Gäste alle Hände voll zu tun hat, tadelt, während Maria, 
die offensichtlich – außer dasitzen und zuhören – nichts tut, „den guten Teil gewählt“ (Lk 10,42) haben soll.

Mir ist auch noch die alte Einheitsübersetzung im Ohr, wo es sogar geheißen hat, Maria habe „das bessere erwählt“. Die neue Einheitsübersetzung gibt – Gott sei Dank – mit der Formulierung „den guten Teil gewählt“ den griechischen Urtext genauer wieder.

Gerade wenn man sich über ein Wort Jesu aufregt, ist es eine willkommene Anregung, sich dieses Wort genauer anzuschauen:
Die Szene, die der Evangelist Lukas schildert, erinnert mich an einen Besuch bei Fräulein Pepi. Sie war die Schwester alten eines Pfarrers. Beide sind inzwischen längst verstorben. Fräulein Pepi lud mich immer wieder ein, zu ihr zum Kaffeetrinken vorbei zu kommen. Eines Tages war es dann soweit: Ich saß in ihrem Esszimmer. Fräulein Pepi war unterdessen damit beschäftigt in der Küche Kaffee zu kochen, Kuchen aufzuschneiden, Brote zu schmieren und so weiter.
Sie backte einen echt guten Kuchen und auch die Brote waren großzügig belegt. Allein: die Gastgeberin Fräulein Pepi – die ich ja eigentlich besuchen wollte um mich mit ihr zu unterhalten – war gar nicht da. Sie war mit anderem beschäftigt.
Natürlich ließ ich mir später ihre Brote schmecken und den Kaffee und den Kuchen. Aber bis dahin war der eigentliche Sinn meines Besuches – Fräulein Pepi zu treffen – etwas daneben gegangen.

Vielleicht ist es Jesus mit Martha und Maria ähnlich ergangen. Er wollte die beiden treffen. Und Martha – wie es sich für eine gute Gastgeberin gehört – 
war – wie es im griechischen Text genau heißt: „mit viel Dienst beschäftigt“. „Dienst“ wird im Neuen Testament nie Abschätzig oder gar negativ gesehen. Ist „Dienen“ doch von allen Christen und in allen Lebenssituationen verlangt – sozusagen unsere Christenpflicht.
Ihre Schwester Maria, – so weiter im Griechischen – „die AUCH bei den Füßen des Herrn saß und auf sein Wort hörte“ erregte Marthas Unmut, wegen ihrer scheinbaren Untätigkeit.
Das AUCH legt nahe, dass Martha – anders als Fräulein Pepi – nicht in der Küche verschwunden war. Vielleicht hatte das Haus in dem Jesus zu Gast war – wie viele der damaligen Häuser – ja auch nur einen Raum. Martha war also nicht unhöflich oder gar abwesend, aber sie war eben „mit viel Dienst beschäftigt“. (vgl. Sebastian Schneider)

In seiner Antwort auf Marthas Beschwerde über ihre Schwester sagt Jesus liebevoll: „Marta, Marta, du denkst und beunruhigst dich über vieles, eines aber ist nötig! Maria hat doch den guten Teil erwählt, der wird ihr nicht genommen werden.“
Das Gute – das worum es wirklich geht – besteht nicht in dem Vielen, sondern in dem EINEN.

Liebe Schwestern und Brüder!
An mir selber merke ich allerdings oft, dass ich in der Versuchung bin nicht nur EINE Sache zu machen, sondern mehrere oder gar VIELE nebeneinander:
Da ist ein Gespräch im Büro und nebenbei schiele ich auf den Computer, weil der gerade eine neue E-Mail empfangen hat.
Da telefoniere ich mit jemandem, und nebenbei läuft der Fernseher, auf den ich immer mit einem Auge schiele.
Ich erlebe es auch, dass ich mit jemandem im Gespräch bin und der unterdessen mit seinem Handy herumspielt.
Oder wie oft ist es so, dass wir mit unseren Gedanken nicht bei der Begegnung, bei der wir uns gerade befinden sind, sondern schon ganz wo anders.

„Du denkst und beunruhigst dich über vieleseines aber ist notwendig!“ sagt Jesus zu Martha. Und was ist das GUTE, das Maria erwählt hat und das ihr nicht genommen wird?
Ist dieses GUTE nicht genau das, was in diesem Moment von ihr verlangt ist?
Bei Maria: Jesus zuhören?

Wenn ich das so verstehe, dann übt Jesus an dieser Stelle sicher keine Kritik an den Hausfrauen. Wie käme er auch dazu? Er war ja selbst auch kein Kostverächter.

Wozu uns alle Jesus hier aufrufen will ist: Sei JETZT – GANZ – DA.
Mach jetzt EINE Sache. Und mach DIESE SACHE – GUT.
Das wird dir keiner nehmen.

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