Drei Worte vor Weihnachten – Predigt zum 4. Adventssonntag

Gestatten Sie mir, dass ich heute zusammen mit Ihnen drei Worte aus dem Evangelium von der Verkündigung an Maria bedenke.

  • Fürchte dich nicht. 
  • Wie soll das geschehen? 
  • Für Gott ist nichts unmöglich.

1. „Fürchte dich nicht.“ (Lk 1,30b)
Immer wieder hört man das Gerücht, dass dieses Wort 365-mal in der Bibel stünde. – Für jeden Tag des Jahres einmal. Das stimmt zwar so nicht, es sind nur 61-mal und man noch den Satz „Fürchtet euch nicht” dazu nimmt, dann kommt man 95-mal, aber der Gedanke der dahinter steckt, ist sehr richtig!

Jeden Tag sagt uns Gott: „Fürchte dich nicht.“
Es gibt für uns Christen keinen Grund Angst zu haben! Wir brauchen uns nicht zu fürchten! Nicht vor Gott, nicht vor den Menschen, ja vor nichts und niemandem.
Im Alten Testament sagt Gott häufig zu seinem Volk und auch zu einzelnen Personen: „Fürchte dich nicht!“
Schon da und noch deutlicher im Neuen Testament sagt Gott den Menschen immer wieder seine Gegenwart zu. Seine Gegenwart, in der es keine Furcht geben braucht! Gott will ja nicht, dass wir Angst vor ihm haben! Das zeigt er nicht zuletzt auch dadurch, dass er selber als kleines wehrloses Kind in diese Welt kommt und nicht als mächtiger König oder gar als brutaler Feldherr!

Ich erinnere mich an eine Inschrift am Eingang einer der Kirchen in denen ich Pfarrer war. In Westernach stand in Marmor gemeißelt zu lesen „Wahrhaftig ein furchtbarer Ort“. Ich fand diese Inschrift immer grässlich! Denn weder die Westernacher Kirche noch die Gemeinde dort waren furchtbar. Nur diese Innschrift.
Natürlich: sie stammte vermutlich aus dem 19. Jahrhundert. Damals verstand man unter „furcht-bar“ noch etwas ganz anderes als heute. Die Inschrift wollte die Menschen dazu einladen in dieser Kirche Gott mit Ehrfurcht zu begegnen, IHM Achtung, Ehre und Wertschätzung – also Gottesfurcht – entgegen zu bringen.
Das ist etwas ganz anderes als Angst vor IHM zu haben.

Erschrecken jedoch kann man möglicherweise schon, wenn Gott plötzlich in das Leben tritt. Da geht es Maria nicht anders als uns. Wie ihr mutet Gott auch uns 
immer wieder Dinge zu, die wir uns selber so nicht ausgesucht hätten: Eine Lebenssituation, eine Erkrankung, einen Menschen, ja unsere eigenen Schwächen. Aber immer wieder sagt Gott auch zu uns: „fürchte dich nicht!“ – „Ich bin bei dir!“

Das zweite Wort:
2. „Wie soll das geschehen?“ (Lk 1,34)

Maria fragt nach. Gott überfällt sie nicht. Gott will Maria nicht als unmündiges Werkzeug. Maria gebraucht ihren Verstand und fragt: „Wie soll das geschehen?“ (Lk 1,34)
Ganz so leicht zu verstehen ist es ja nicht, was ihr da angeboten wird:
Obwohl sie noch mit keinem Mann verkehrt war und es angesichts ihrer Verlobung auch bis zur Hochzeit nicht tun wird, soll sie ein Kind empfangen.
Dass das nicht gehen kann ist für jeden normal denkenden Menschen offensichtlich.
Und deshalb fragt sie nach. Und ihre Nachfrage bewirkt, dass die ihr geschenkte Offenbarung noch deutlicher zu Tage tritt.

Wer sich mit dem Wirken Gottes beschäftigt, wer sich mit der Heiligen Schrift auseinandersetzt, wer die Schöpfung genauer untersucht, der wird reich beschenkt mit tieferen Erkenntnissen, mit Einsichten und Wahrheiten, die man beim flüchtigen Hinschauen, beim ersten Eindruck nicht haben kann.

„Wie soll das geschehen?“
Gott bedient sich der Nachfrage des Menschen, um noch mehr von sich zu offenbaren. Das war bei Maria so, und das gilt auch für uns.
Deshalb dürfen, ja müssen wir wie Maria nachfragen: „Wie soll das geschehen?“

„Wie soll das geschehen?“ frage ich mich auch immer wieder. 
Gott hat mich ja mit einem Verstand ausgestattet, der fähig ist, die Funktionen der Welt, die Abläufe im Leben zu bedenken, sie Vorzudenken und zu planen.

„Wie soll das geschehen?“ Frage ich mich, wenn ich die Verheißungen des Evangeliums, die Botschaft vom Reich Gottes mit dem vergleiche, was ich tagtäglich im Leben erlebe und aus den Medien über unsere Welt höre: Die Pandemie, Kriege, Streit, Ungerechtigkeit, Feindschaft, Not, Leid und Krankheit.
Wie soll das Geschehen, dass da das Himmelreich entsteht?
Ich kann es mir nicht vorstellen. Selbst wenn ich die Geduld aufbrächte, die dafür nötig ist.
Ist es nicht unglaublich und unvorstellbar, dass diese Welt einmal besser wird?

Und genau in diese Frage hinein ist der dritte Satz gesprochen, den ich mit ihnen bedenken will:
3. „Für Gott ist nichts unmöglich!“ (Lk 1,37)

Welch ein Vertrauen spricht aus diesem Satz!
„Für Gott ist nichts unmöglich!“ 

Wie ein kleines Kind gläubig zu seinem Vater aufschaut, in der Hoffnung, dass DER das kaputte Fahrrad wieder richten kann, so dürfen auch wir zum Vater aufblicken und zu ihm sagen: „Vater, für dich ist nichts unmöglich!“ – „Hilft uns!“

In dem Satz „Für Gott ist nichts unmöglich!“ steckt das ganze Vertrauen, das wir in Gott haben dürfen. Ihm alles zu überlassen, aus unserer Hand, alles in SEINE Hand zu geben, das ist ein Akt echten Glaubens und Vertrauens. Nicht naiv
und auch nicht faul. Sondern vertrauend auf die Zusage, die Gott schon in seinem Namen offenbart hat: JHWH – ICH BIN DA.
Und vertrauend, dass Gott nichts Unmögliches von uns verlangt, uns nichts zumutet, was unsere Kräfte übersteigt.

„Für Gott ist nichts unmöglich!“
Maria zeigt uns, dass sie sich wohl überlegt darauf einlässt.
Sie zeigt uns, dass sie mit der Zusage „Für Gott ist nichts unmöglich!“ keine Angst haben muss und dass auch wir keine Angst zu haben brauchen.

Liebe Schwestern und Brüder:
Die drei Worte aus dem Evangelium von der Verkündigung an Maria wollen auch uns helfen tiefer in das Geheimnis Gottes und in das Geheimnis von Weihnachten
einzutreten:

  • Fürchte dich nicht. 
  • Wie soll das geschehen? 
  • Für Gott ist nichts unmöglich.

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