Das Kreuz von Notre Dame und das Kreuz von Golgotha Zeichen der Hoffnung – Predigt zur Karfreitagsliturgie

Als ich am Montagabend von einem sehr anregenden Vortrag im Haus St. Ulrich in Augsburg nach Hause kam, da sah ich die Bilder von der brennenden Kathedrale Notre Dame in Paris.
Ich saß vor dem Fernseher und konnte es nicht glauben.
Hatte ich doch selbst auch schon diese großartige Kathedrale besucht und über das gestaunt, was hier an Glaubensgeschichte in Stein gemeißelt seit Jahrhunderten Zeugnis vom Christlichen Glauben gibt.
Vielleicht ist es Ihnen ähnlich gegangen.

Katastrophe fast live miterleben.
Nichts tun können, als nur zuschauen.
Ohnmacht und Entsetzen.

Das müssen auch die Emotionen der Jünger und der Frauen gewesen sein, als Sie den Kreuzweg Jesu mitgehen, als die unter dem Kreuz stehen, seinen Tod miterleben müssen.
Ohnmacht und Entsetzen, Hilflosigkeit und die Frage nach dem Warum.

Gott verhindert die Katastrophen nicht.
Nicht einmal die Katastrophe des Todes.
Ja, ER hat seinen eigenen Sohn nicht verschont. (vgl. Röm 8,32)

Warum das so ist? Die uralte Frage nach dem Leid, das Gott zulässt.
Selbst Jesus am Kreuz schreit sie heraus.

Man möchte verzweifeln, sieht nicht mehr weiter, kann nicht mehr weiter gehen, gerät in Panik oder verfällt in Agonie.

Am Tag nach der Katastrophe in Paris ging neben den Bildern von der brennenden Kathedrale vor allem ein Bild durch die Medien: Das Bild vom Chorraum von Notre Dame: zwischen den rußgeschwärzten Wänden und Säulen und hinter verkohlten Balken leuchtet golden das Kreuz.

Viele haben darin ein Sinnbild gesehen.
Nicht nur dass das riesige Gotteshaus durch den Brand nicht völlig zerstört,
die wichtigsten Reliquien gerettet und kein Mensch zu Tode gekommen ist.
Mitten aus dem Drama leuchtet das Kreuz wie ein Mahnmal für die Hoffnung, die uns durch den Tod und seine Auferstehung Jesu geschenkt ist.

Die Katastrophe ist nicht das Ende.
Aus dem Fiasko leuchtet Hoffnung auf.
Aus dem Tod sprießt neues Leben.

Wir tragen nachher ein Kreuz herein, das zwar mit kantigen Nägeln gespickt ist. An dem aber zarte grüne Zweige neues Leben ankündigen.

Das Kreuz, das aus dem Dunkel der schwer beschädigten Kathedrale leuchtet, das Kreuz, das hier in unsere Mitte gestellt wird, das Kreuz
ist Zeichen der Hoffnung und des Sieges.
Das Kreuz sagt uns: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55)

Am Tag nach der Katastrophe von Golgatha haben die Jünger und die Frauen das auch noch nicht verstanden.
Sie werden Erfahrungen mit dem lebendigen Christus machen und daraus lernen, dass ER die grauenvolle Katastrophe nicht nur „überlebt“ hat, sondern viel mehr noch Tod besiegt hat.
Durch den Tod hindurch ist er zum neuen Leben gekommen.
Das zu verstehen braucht Zeit, das weiß jeder, der schon Katastrophen miterleben musste.

Das Unglück hinterlässt Narben und Wunden, die nicht geheilt werden können. Auch der Auferstandene wird die Wundmale tragen und sie Thomas anbieten, damit er sie berührt und zum Glauben kommt.

Doch es wächst ein ganz neues, ein noch nie dagewesenes Leben.

Was aus der Katastrophe von Notre Dame für die Kirche, für Frankreich und für Europa wachsen wird, werden wir sehen.

Was aus der Katastrophe des Karfreitags erwächst, das haben wir im Glauben schon kennen gelernt.
Die Gegenwart Jesu, viel umfassender und tiefgehender als in der Zeit vor dem Karfreitag.

Lasst uns nun also hier voreinander bekennen: Im Kreuz ist Heil, Im Kreuz ist Leben, Im Kreuz ist Hoffnung.

Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich, denn durch dein heilige Kreuz hast Du die ganze Welt versöhnt.

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