Predigt im Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag

Vor zwei Wochen hatten wir mit 60 Ministranten aus unserer Pfarreiengemeinschaft ein – wie ich meine – wunderbares Wochenende.
Mit dem Vorbereitungsteam hatten wir überlegt: wir wollen, dass die Minis aus unseren 8 Gemeinden besser zusammenwachsen. Sie sollen nicht nur hören, sondern auch erfahren, dass sie eine Gemeinschaft sind.
Im Laufe des Wochenendes war es tatsächlich zu spüren, dass diese Gemeinschaft da ist. Es machte keinen Unterschied, aus welchem Dorf sie kam, oder wie alt sie ist.
Gemeinschaft ohne Unterschiede, in der jeder und jede aber dennoch individuell, eine eigene Persönlichkeit sein darf, doch immer auch mit Blick für den Anderen.

In verschieden Gruppen haben wir uns am Samstagvormittag den Gründonnerstag genauer angesehen. Die Texte und Aspekte, die diesen Gottesdienst, den wir heute als Gemeinschaft der Pfarreien Bachern, Ottmaring, Paar und Rehrosbach mit ihren verschiedenen Gemeinden feiern und wie Gläubige aus den verschiedenen Gemeinden heute mitfeiern, so sind auch Ministranten aus den verschiedenen Gemeinden heute hier.

Die Erzählung von der Einsetzung des Pas-cha, der Feier der Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten, die wir als erste Lesung gehört haben, hat eine Gruppe genauer untersucht.
Dabei haben sie sich erinnert, dass die Israeliten in Ägypten als Sklaven gehalten wurden. Einst waren sie vor einer Hungersnot in das fruchtbare Land am Nil gekommen. Dort hatte einer von ihnen, Josef, eine wichtige Position bekommen und dem vorigen Pharao geholfen, die Ägypter vor einer Hungersnot zu bewahren. Nun aber waren die Israeliten versklavt. Und Gott war dabei, sie aus diesem Land in „ihr“ Land, das gelobte Land, zu führen.
Mose ist die zentrale Gestalt in diesem Geschehen. Der als Säugling im Wasser ausgesetzte, von der Prinzessin erzogene. Dem sich am brennenden Dornbusch Gott geoffenbart hatte und der dort von Gott selbst mit der Befreiung beauftragt wurde.
Die zehn Plagen hatte Gott geschickt, um den Pharao dazu zu bewegen, die Israeliten ziehen zu lassen. Und vor der letzten Plage, dem Tod aller männlichen Erstgeborenen, gibt Gott den Auftrag zum ersten Pas-cha, jener Feier, die Juden bis heute begehen und die auch Jesus damals im Abendmahlssaal mit seinen Jüngern gefeiert hat und die die Vorlage bildet für die Feier, die wir Christen begehen, jedes Mal, wenn wir uns zur Eucharistiefeier versammeln.

Das hat haben zwei Gruppen unserer Minis beim Wochenende miteinander angeschaut: Wie Jesus seine Jünger damit beauftragt hat, das Mahl vorzubereiten. Und wie Jesus mit seinen Jüngern zusammensaß und Brot geteilt hat und den Wein.
Mit allen Minis haben wir dann Brot und Traubensaft geteilt, um nachzuempfinden, was Jesus damals getan hat. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ hatte er seinen Jüngern gesagt und seit der frühesten Zeit
haben es die Christen so gehalten. Den frühesten „Einsetzungsbericht“ aus dem ersten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, haben wir eben in der zweiten Lesung gehört.
„Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ (1 Kor 11,26)
Das tun wir nachher alle miteinander in der Feier der Eucharistie: Wir verkünden den rettenden Tod des Herrn. Und wir machen uns bewusst, dass ER es ist, der uns erlöst aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes, so wie ER damals das Volk Israel aus der Knechtschaft und der Sklaverei in Ägypten befreit hat.

Und in einer weiteren Gruppe bei unserm Wochenende haben wir das betrachtet, was Johannes im Evangelium beschrieben hat: Die Fußwaschung.
Körperliche Reinigung vor dem Mahl war für die Juden damals wie heute ein wichtiges religiöses Zeichen. Doch dass Jesus selber den Dienst übernimmt, den sonst nur der geringste tut, das hat selbst Petrus nicht verstanden: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,24f) So deutet Jesus sein Tun selber und gibt dabei den Auftrag, an alle Christen einander zu dienen.

Wenn Kaplan Livinus und ich heute den Ministranten, mit denen wir diesen Text betrachtet haben, die Füße waschen, dann möchten wir zum Ausdruck bringen, dass wir zum Dienst bereit sind.

Der Dienst füreinander besteht nicht nur darin, mit Wasser jemanden die Füße zu reinigen. Er besteht darin, sich in den verschiedensten Situationen des alltäglichen Lebens für den Bruder, die Schwester, den Nächsten, die anderen Christen die Dinge zu tun, die jetzt gerade nötig sind.
Wenn Jesus sagt „damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“, dann beauftragt er damit alle Christen dazu, einander „die Füße zu waschen“. (Übrigens nicht „den Kopf zu waschen“!)

In der Betrachtung mit den Ministranten haben wir entdeckt, dass die Eucharistie, und die Fußwaschung inhaltlich ganz nahe beieinander sind:
Es geht darum, dass Jesus sich selber schenkt und wir das ebenfalls tun.
Es geht darum, dass Jesus einen Dienst tut, der nicht groß raus kommt, sondern unscheinbar und klein ist.
Es geht bei der Eucharistie wie bei der Fußwaschung um WANDLUNG, um die heilende innere Veränderung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi.
Um die Wandlung vom Herrn zum Diener, von dem der sagt „Herr ich bin nicht würdig“ in den der wissen darf: „In Christus und mit Christus in Dir bist Du unendlich wertvoll!“
Und es geht bei der Eucharistie wie bei der Fußwaschung darum, nicht beim Ritual stehen zu bleiben, sondern im alltäglichen Leben zu zeigen, dass wir Christen alle – wie Christus selber – zum Dienen bereit – zur Hingabe des Lebens bereit – sind.

Danke Euch Minis für das tolle Wochenende, das wir miteinander erleben durften.

Und danke Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, dass Sie in den vielen verschiedenen alltäglichen Dingen einander dienen und so Ihr Christsein den anderen bezeugen.

Danke allen, die in unseren Gemeinden und der ganzen Pfarreiengemeinschaft das was wir heute miteinander zeichenhaft feiern, 365 Tage im Jahr in LEBEN umsetzen.

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